/ 21.06.2013
Susanne Dyrchs
Das hybride Khmer Rouge-Tribunal. Entstehung, Entwicklung und rechtliche Grundlagen
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2008 (Kölner Schriften zu Recht und Staat 36); 327 S.; brosch., 56,50 €; ISBN 978-3-631-56981-8Rechtswiss. Diss. Köln; Gutachter: B. Kempen, J. Baur. – Nach den in den 90er-Jahren durch Sicherheitsratsbeschluss eingesetzten Ad-hoc-Tribunalen der UN für Ruanda und Jugoslawien sowie der Errichtung des ständigen Internationalen Strafgerichtshofs durch einen völkerrechtlichen Vertrag („Römisches Statut“) lässt sich eine weitere, neue Form internationaler Strafgerichtsbarkeit beobachten: internationalisierte Gerichte, die durch die UN mit dem betreffenden Staat ausgehandelt und mit gemischter nationaler und internationaler Besetzung eingerichtet werden. Das 2006 etablierte Kambodscha-Tribunal, das endlich die noch lebenden Hauptverantwortlichen der Schreckensherrschaft der Roten Khmer der Strafverfolgung zuführen soll, ist gerade hinsichtlich der Einbruchstellen politischer Einflussnahmen hierfür typisch, dauerten doch schon allein die Verhandlungen rund zehn Jahre – die „kambodschanische Regierung wünschte sich einen Spruchkörper mit internationaler Beteiligung, wollte aber gleichzeitig die Kontrolle über das Gericht ausüben“ (290). Herausgekommen ist ein stark national dominiertes, „im Verhältnis zu anderen hybriden Tribunalen […] am geringsten internationalisierte[s] Tribunal“ (291). Gleichwohl bewertet Dyrchs das erzielte Ergebnis positiv: „Realistische Alternativen hat es nicht gegeben“ (292), nicht zuletzt weil „die internationale Gemeinschaft durch ihre jahrzehntelange Vernachlässigung oder gar Ignoranz“ (296) Chancen vertan habe. Die Arbeit geht über einen rein rechtswissenschaftlichen Rahmen hinaus. Die die Vorgeschichte des Tribunals begleitenden politischen Interessen finden ebenso Berücksichtigung wie eine vergleichende Einordnung in die bisherigen Formen internationaler Strafgerichtsbarkeit.
Robert Chr. van Ooyen (RVO)
Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
Rubrizierung: 4.41 | 4.1 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Robert Chr. van Ooyen, Rezension zu: Susanne Dyrchs: Das hybride Khmer Rouge-Tribunal. Frankfurt a. M. u. a.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29623-das-hybride-khmer-rouge-tribunal_35066, veröffentlicht am 11.09.2008.
Buch-Nr.: 35066
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Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
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