/ 20.06.2013
Friedrich Jäger
Das Internationale Tribunal über Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien. Anspruch und Wirklichkeit
Wien: Lit 2005 (Politikwissenschaft 107); I, 197 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 3-8258-8400-7Das 1993 durch den UN-Sicherheitsrat eingesetzte Jugoslawien-Tribunal gilt als eines der zentralen Elemente bei der Implementierung internationaler Strafgerichtsbarkeit seit den 90er-Jahren. Deutschsprachige Literatur über die Effektivität seiner Arbeit ist trotzdem höchst selten. Jäger – Rechts- und Staatswissenschaftler mit langjähriger Erfahrung im österreichischen Polizeidienst – zieht hier eine erste rechtspolitische Bilanz. Diese fällt – bei aller grundsätzlichen Befürwortung – eher ernüchternd aus. Er kommt u. a. zu dem Ergebnis, dass UN und NATO nicht willens waren, die „Kräfte der SFOR wirksam einzusetzen und Konfrontationen in Kauf zu nehmen“(181); dass einer geschätzten Zahl von 15-20.000 Tätern bis Ende 2004 nur 123 Anklagen gegenüberstehen. Dabei habe sich die Anklage vor allem gegen die „willigen Vollstrecker“ im Bereich des Militärs gerichtet, während – von wenigen Ausnahmen abgesehen – die „mittlere und höhere politische Funktionärsschicht kaum behelligt wurde“ (170).
Robert Chr. van Ooyen (RVO)
Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
Rubrizierung: 4.3 | 4.1 | 4.41 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Robert Chr. van Ooyen, Rezension zu: Friedrich Jäger: Das Internationale Tribunal über Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien. Wien: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24997-das-internationale-tribunal-ueber-kriegsverbrechen-im-ehemaligen-jugoslawien_28911, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28911
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Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
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