/ 20.06.2013
Oliver Klinck
Das kanadische Gesundheitssystem im Spannungsfeld des Föderalismus. Struktur, Problemfelder und föderale Reformen
Online-Publikation 2008 (http://www.opus.ub.uni-erlangen.de/opus/volltexte/2008/885/pdf/OliverKlinckDissertation.pdf); 195, XXXIV S.Wirtschaftswiss. Diss. Erlangen-Nürnberg; Gutachter: A. Falke, R. R. Doerries. – Statistiken der WHO zufolge zählte das öffentlich finanzierte und betriebene, für die Bevölkerung frei zugängliche Gesundheitssystem Kanadas im Jahr 2004 zu den besten, aber auch den teuersten Systemen, die kanadische Bevölkerung zur gesündesten auf der Welt. Wie die meisten Industrienationen war auch Kanada Anfang der 90er-Jahre von wirtschaftlicher Stagnation und hoher Staatsverschuldung betroffen und regierte darauf u. a. mit Kostendämpfungsmaßnahmen im Gesundheitswesen. Der Anteil der Bundesmittel an den gesamten Gesundheitsausgaben ging, ebenso wie die Qualität des Gesundheitssystems, kontinuierlich zurück. Dies führte zu einem politischen Streit zwischen der Bundesregierung, die mit dem Canada Health Act (CHA) die Leitlinien vorgibt, und den Provinzregierungen, denen die legislative und administrative Kontrolle ihres jeweiligen Gesundheitssystems obliegt. „Statt das Gesundheitssystem durch weitgreifende Reformen zu stabilisieren, ließen sich die politischen Akteure auf ein riskantes Spiel der Schuldzuweisungen ein“ (6), schreibt der Autor und interpretiert diesen Streit als Ausdruck grundsätzlicher Veränderungen im föderalen Kräfteverhältnis. Vor diesem Hintergrund untersucht Klinck verschiedene, auf der Basis des „incremental-choice-Ansatzes“ ausgewählte Reformoptionen, die die Zusammenarbeit der beiden Regierungsebenen verbessern und eine gute Qualität des Gesundheitssystems gewährleisten könnten. Zunächst werden die Grundlagen der Finanzierung und Leistungserbringung, die verschiedenen Interessengruppen und Problemfelder des kanadischen Gesundheitssystems sowie die strukturellen Zusammenhänge zwischen der Bundesregierung und den zehn Provinzregierungen herausgearbeitet. Abschließend werden sowohl intra- als auch interstaatliche Reformoptionen hinsichtlich ihrer möglichen Auswirkungen auf die Vorgaben des CHA bewertet. Im Ergebnis erweisen sich Kooperationsmodelle als erfolgversprechend, dezentralisierende Reformen hingegen als wenig zweckmäßig.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.64 | 2.263
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Oliver Klinck: Das kanadische Gesundheitssystem im Spannungsfeld des Föderalismus. 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21891-das-kanadische-gesundheitssystem-im-spannungsfeld-des-foederalismus_36069, veröffentlicht am 03.03.2009.
Buch-Nr.: 36069
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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