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/ 20.06.2013
Jan Hoff / Alexis Petrioli / Ingo Stützle / Frieder Otto Wolf (Hrsg.)

Das Kapital neu lesen

Münster: Westfälisches Dampfboot 2006; 370 S.; 24,80 €; ISBN 978-3-89691-605-1
In diesem Band werde das Projekt „Kritik der politischen Ökonomie“ als Baustelle präsentiert, „dessen Statik und Architektonik im Laufe der Zeit ständig aktualisiert wird und werden muss“ (360), schreiben die Herausgeber. Grundlage einer neuen Lektüre von „Das Kapital“ sei die zweite MEGA-Edition, mit der ein wesentlicher Teil an Manuskripten erst zugänglich geworden sei. Erst mit dieser Edition könnten die Eingriffe des Herausgebers sowie die Entwicklungen zwischen den verschiedenen Auflagen textkritisch nachvollzogen werden. Allerdings „wäre es naiv zu glauben, gleichsam die ‚wahre Schicht‘ als Ort einer tieferen Einsicht von stärker mystifizierten oder popularisierten, eher ‚unwahren‘ Schichten abheben zu können“ (11). Eine weitere Voraussetzung für eine neue Lektüre sei das Ende des Realsozialismus. „Nachdem sich der theoretische Stalinismus und seine die Debatte erstickenden Staatsapparate historisch erledigt haben, können endlich wieder alle Fragen gestellt und der Sache nach mit Argumenten ausdiskutiert werden.“ (11) Die neue Lektüre geschehe zusammengefasst vor zwei verschiedenen Hintergründen: aus theoretischem Erkenntnisinteresse und aus politischem Erkenntnisstreben angesichts der gegenwärtigen globalisierten Entwicklungen. Die Herausgeber geben einen aufschlussreichen Überblick über die Kapital-Lektüre in verschiedenen Ländern. Deren Entwicklung in Frankreich und den USA wird in zwei weiteren Beiträgen vertieft. Die thematische Vielfalt der weiteren Beiträge erstreckt sich von der Beziehung des „Kapitals“ zu Hegels „Logik“ bis zur Geschichte feministischer Auseinandersetzungen mit der marxen (nicht: marxistischen) Kritik der politischen Ökonomie. In den Beiträgen, so etwa auch im dem von Stützle über die konstitutive Relevanz der Geldware in Marx’ Kritik der politischen Ökonomie mit der scheinbar schlichten, aber doch zentralen Frage danach, was Geld überhaupt ist, wird deutlich, dass vor dem Hintergrund der eingangs beschriebenen veränderten Hintergründe und Zugänge eine erneute/neue „Kapital“-Lektüre ein spannendes Unterfangen sein kann.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.455.435.33 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jan Hoff / Alexis Petrioli / Ingo Stützle / Frieder Otto Wolf (Hrsg.): Das Kapital neu lesen Münster: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23706-das-kapital-neu-lesen_27242, veröffentlicht am 04.04.2008. Buch-Nr.: 27242 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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