/ 21.06.2013
Sandra Seubert
Das Konzept des Sozialkapitals. Eine demokratietheoretische Analyse
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2009; 282 S.; 32,90 €; ISBN 978-3-593-39048-2Eingehende systematische Überlegungen zum Konzept des Sozialkapitals seien in der gegenwärtigen Forschung eher selten, schreibt Seubert einleitend, „hier besteht erheblicher Nachholbedarf.“ (13) Diesem Mangel will sie mit einer systematisierenden Diskussion des möglichen Erkenntnisgewinns abhelfen, den das Konzept des Sozialkapitals für eine demokratietheoretische Analyse bereithält. Ein solches Vorhaben ist prinzipiell ein lobenswertes Unterfangen, jedoch scheint Seubert dafür nur einen Ausschnitt aus der bisherigen relevanten Literatur zu rezipiert zu haben. Die vernachlässigten Titel hätten jedoch durchaus für die Betrachtungen zum Zusammenhang der Ideen Putnams und Bourdieus sowie deren Folgen für Bürgergesellschaft und Solidarität wichtig sein können. So werden etwa im Sonderband Sozialkapital (47/2007) der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie systematisierende und im Interesse der Arbeit weiterführende Ideen diskutiert. Wichtige Teile des Forschungsinteresses, wie etwa die Frage, wie partikular bzw. gemeinwohlverträglich die durch Sozialkapital zusammengehaltenen sozialen Netzwerke sind, hat z. B. Eric M. Uslaner bereits analysiert. Dass zudem die Diskussion um civil und civic society ohne jeglichen (auch potenziell kritischen) Rückgriff auf Almond und Verba auskommt und die Autorin sich auch nicht auf empirische Arbeiten zu den Auswirkungen von Sozialkapital in Deutschland (etwa Zmerli 2008, siehe ZPol-Nr. 32975) bezieht, verwundert angesichts des selbst gesteckten Ziels. So bietet das Buch zwar eine elaboriert formulierte demokratietheoretische Reflexion des Sozialkapital-Konzepts, in welchem Putnam, Bourdieu, Bürgergesellschaft und Governance angesichts der Herausforderungen „der ‚postnationalen Konstellation'“ (270) miteinander verknüpft und diskutiert werden. Gleichwohl lässt sich aufgrund der angedeuteten mangelnden Literaturrezeption ein möglicher Nutzen für Einsteiger wie für Forschende im Bereich des Sozialkapitals nur eingeschränkt konstatieren.
Bernd Schlipphak (SCH)
M. A., wiss. Universitätsassistent, Abteilung Politikwissenschaft, Universität Salzburg.
Rubrizierung: 5.41 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Bernd Schlipphak, Rezension zu: Sandra Seubert: Das Konzept des Sozialkapitals. Frankfurt a. M./New York: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31427-das-konzept-des-sozialkapitals_37410, veröffentlicht am 13.04.2010.
Buch-Nr.: 37410
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M. A., wiss. Universitätsassistent, Abteilung Politikwissenschaft, Universität Salzburg.
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