/ 22.06.2013
Robert Seyfert
Das Leben der Institutionen. Zu einer Allgemeinen Theorie der Institutionalisierung
Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2011; 236 S.; 24,- €; ISBN 978-3-942393-21-8Theoriegeschichtlich gesehen gleicht das Konzept der Institution einem Vexierbild. Auf der einen Seite heben Ansätze einer positiven Soziologie – wie prominent: Durkheim – die funktionale Bedeutung von Institutionen hervor: Sie stabilisieren das Handeln der Individuen durch Typisierungen, Konditionierungen, Disziplinierungen. Auf der anderen Seite haben Ansätze kritischer Soziologie immer wieder deren repressives Moment unterstrichen, das den Individuen – sei es als Entfremdung, sei es als kapitalistischer Modus von Vergesellschaftung – wie ein fremder Zwang widerfährt. Jenseits dieser Traditionen plädiert der Autor in sozialtheoretischer Absicht für ein explizit prozessual ausgelegtes Verständnis, das Institutionen nicht als Sozialstruktur, sondern als kunstvolle Arrangements begreift, die Spielräume für den kreativen Umgang mit Problemen welcher Art auch immer eröffnen. In dieser Sicht kommt es zunächst darauf an, sich von einigen Dualismen zu lösen, die – wie die falsche Gegenüberstellung von Institution und Individuen oder die scharfe Trennung zwischen Innen und Außen – die Tradition nahelegt. Ein derart offener Institutionenbegriff – so pointiert der Autor – sei in sozialtheoretischer Hinsicht anderen Ansätzen wie der Systemtheorie oder der Akteur-Netzwerk-Theorie überlegen. Diesen starken Anspruch sucht der Autor jedoch nicht durch Widerlegung oder Vereinnahmung anderer Theorien einzulösen; auf Basis von Re-Interpretationen vorhandener Forschungen geht es ihm in erster Linie um „Ergänzungen, Erweiterungen und Entfaltungen [...] bisher wenig berücksichtigte[r] Themen innerhalb der Institutionentheorie“ (28). Am Beginn der Interpretationen steht, Überlegungen von David Hume, Henri Bergson, Cornelius Castoriadis und Gilles Deleuze aufgreifend, die Entwicklung eines Konzeptes positiver Institutionalisierung. Daran anschließend behandelt Seyfert Institutionen in ihrem Verhältnis zu Affekten, zur zeitlichen Dimension und schließlich zu ihrer Platzierung in materiellen oder symbolischen Räumen. Die Studie ist im Rahmen des Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz entstanden.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42 | 5.1
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Robert Seyfert: Das Leben der Institutionen. Weilerswist: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34958-das-leben-der-institutionen_42048, veröffentlicht am 27.09.2012.
Buch-Nr.: 42048
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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