/ 22.06.2013
Daniel Robert Kramer
Das Söldnerwesen. Militärisches Unternehmertum in der Genese des internationalen Systems
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010; 214 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-531-17394-8Das Söldnerwesen besteht aus Männern, die sich zum Zwecke der Kriegsführung zusammenschließen und ihre Dienste dem Meistbietenden zur Verfügung stellen. Mit dieser Definition vertritt Kramer, der unter anderem als freiberuflicher sicherheitspolitischer Experte tätig ist, zugleich die These, dass Söldner keineswegs Abweichungen von der sozialen Norm darstellen, sondern ein konstituierendes Merkmal der sozialen Ordnung der Welt sind. Dies versucht er in einem ausführlichen historischen Abriss zu belegen. Kramer beginnt die Darstellung in der griechischen Antike und im Römischen Reich. Anschließend befasst er sich mit den Söldnerheeren im Dreißigjährigen Krieg. Mit diesen Beispielen soll der Anteil der Söldner am Prozess der europäischen Staatswerdung sichtbar werden. Im zweiten Teil seiner Arbeit bettet Kramer das Söldnerwesen in die Verstaatlichung der Welt ein. Dabei stellt er vor allem den Einsatz für Handelskompanien heraus und betont, dass bei diesen militärisches und ökonomisches Unternehmertum verschmolz. Darauf aufbauend entwickelt Kramer eine Definition von vier unterschiedlichen Söldnertypen: der staatliche Söldner in Armeen fremder Staaten; indigene Söldner, die von intervenierenden Mächten ausgebildet werden; Soldaten, die von dafür bezahlten Staaten zur Verfügung gestellt werden; selbstständige Söldner. Dieser vierte Typ prägt das öffentliche Bild in der Gegenwart nachhaltig und so wird der Söldner nach Ansicht des Autors in der politischen Öffentlichkeit meist mit Verachtung gesehen. Größere Aufmerksamkeit wurde diesem Berufstypus mit Beginn des Irakkrieges 2003 zuteil. Dort wurden nach Angaben Kramers schätzungsweise 20.000 Söldner eingesetzt. Der Bedarf an Söldnern war so hoch, dass die USA Anreize liefern mussten, um neue Söldner rekrutieren zu können. So wurde für die Zeit nach Beendigung des Einsatzes nicht nur mit Geld, Jobs und Stipendien geworben, sondern auch mit der Staatsbürgerschaft. Dieses Vorgehen prägte den Begriff des Greencard-Söldners. Abschließend zeichnet der Autor in dieser Betrachtung des globalisierten Söldnerwesens die Entstehung privater Sicherheits- und Militärfirmen wie Xe oder Executive Outcomes nach.
Mario-Gino Harms (MGH)
Dipl.Pol., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.1 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Mario-Gino Harms, Rezension zu: Daniel Robert Kramer: Das Söldnerwesen. Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32477-das-soeldnerwesen_38756, veröffentlicht am 09.02.2011.
Buch-Nr.: 38756
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Dipl.Pol., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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