/ 21.06.2013
Carl-Erich Vollgraf / Richard Sperl / Rolf Hecker (Hrsg.)
Das Spätwerk von Friedrich Engels. Zur Edition in der Marx-Engels-Gesamtausgabe
Hamburg: Argument 2008 (Beiträge zur Marx-Engels-Forschung Neue Folge 2008); 284 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-88619-668-5„Der alte Engels entwickelte ab etwa frühe Mitte der 1880er Jahre eine neue Sicht auf den welthistorischen Verlauf des bürgerlichen Umwälzungsprozesses“ (39), schreibt Peer Kösling. Er habe festgestellt, dass die Vorstellungen, an denen er und der inzwischen verstorbene Marx lange festgehalten hatten, illusionär waren. Die Zeit des Kapitalismus sei ihm nun nicht mehr als „ein zwar unter Umständen langes und wechselvolles, aber im Grunde revolutionäres Durchgangsstadium“ (40) zur Revolution erschienen. Die Ereignisse von 1870/71 seien in den Augen von Engels eine Zäsur gewesen, „mit der der revolutionäre Durchbruch des Kapitalismus abgeschlossen war und eine Epoche der evolutionären Entwicklung“ (41) begonnen habe. Vor allem aber habe Engels neben diesen objektiven Bedingungen, unter denen seiner Meinung nach die sozialistische Arbeiterbewegung wirkte, subjektive Voraussetzungen in den Vordergrund treten sehen: „Die ‚Massen’ müssen vor der Revolution gewonnen werden und in ihr bewusst mittun.“ (41) Engels habe also für einen demokratischen, friedlichen Weg der politischen Machtübernahme plädiert. Kösling erläutert diese Meinungsbildung in ihrem historischen Kontext: In mehreren europäischen Ländern entwickelten sich sozialistische Volksparteien und im Deutschen Reich fiel das Sozialistengesetz. Zu einem Realpolitiker sei Engels damit aber nicht geworden: „Hatte Engels früher eher die von ihm ausgemachten objektiven Selbstzerstörungspotenziale des Kapitalismus überschätzt, so am Ende seines Lebens eher das Vermögen derer, die die subjektiven Träger dieses revolutionären Prozesses sein sollten.“ (46) Insgesamt bietet Köslings Beitrag einen guten Überblick über das späte Schaffen Engels, das im Oktober 2007 Thema eines Kolloquiums in Berlin war. In weiteren Beiträgen werden der Alltag des alternden Engels, sein Verhältnis zu Wilhelm Liebknecht sowie verschiedene politische und theoretische Debatten erhellt. Deutlich wird, dass es Engels in seinen letzten Lebensjahren vor allem darum ging, die marxistische Theorie als Grundlage der Arbeiterbewegung zu verankern.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.33
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Carl-Erich Vollgraf / Richard Sperl / Rolf Hecker (Hrsg.): Das Spätwerk von Friedrich Engels. Hamburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30377-das-spaetwerk-von-friedrich-engels_36059, veröffentlicht am 08.04.2009.
Buch-Nr.: 36059
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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