/ 19.12.2013
Ursula Bach
Deliberative Governance in der Arbeitsforschung. Ein Ansatz zur Demokratisierung von Forschungsprozessen in der anwendungsorientierten Forschung
Opladen u. a.: Budrich UniPress Ltd. 2013; 225 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-86388-042-2Diss. RWTH Aachen; Begutachtung: K. Henning, E. Richter. – Ursula Bach setzt sich mit dem nicht nur in der Arbeitsforschung wichtigen Thema des beteiligungsorientierten Forschungsprozesses auseinander. Ausgehend von der Feststellung, dass sich die Bedingungen der Wissensproduktion verändert haben und Forschung – gerade in öffentlich geförderten Projekten – immer stärker an ihrem gesellschaftlichen Nutzen beziehungsweise ihrer Anwendungsorientierung gemessen wird, stellt die Autorin einen Ansatz zur Demokratisierung des Forschungsprozesses vor. Den theoretischen Rahmen bildet ein von ihr entwickelter deliberativer Governance‑Ansatz, der nicht nur die politische Struktur und den institutionellen Kontext, sondern insbesondere auch den politischen Prozess und die beteiligten Akteure berücksichtigt. Bach bezieht sich dabei auf deliberative Demokratietheorien insbesondere von Habermas und Rawls sowie Ansätze zu ihrer (praktischen) Umsetzung (zum Beispiel: Richter) einerseits und verschiedene politikwissenschaftliche Governance‑Ansätze (etwa: Altrichter et al., von Blumenthal) andererseits. Bachs Ansatz integriert beide Perspektiven und sei deshalb geeignet, so ihre These, auf den gesellschaftlichen Wandel und die damit verbundenen Herausforderungen zu reagieren. Dies sei insbesondere für die Arbeitsforschung von Bedeutung, da sie politische Entscheidungen und Programme umsetzen müsse und zudem mit einem komplexen und stetig veränderten Gegenstand zu tun habe. Bach zeigt an einer Fallstudie – dem BMBF‑Förderschwerpunkt Arbeits‑ und Gesundheitsschutz – die Möglichkeiten und Grenzen des Ansatzes auf. So sei es möglich gewesen, „gute wissenschaftliche Praxis“ (179) zu leisten und die Erwartungen der Forschungsförderung zu erfüllen, nicht aber einen öffentlichen Diskurs zu initiieren, der – unter dem Stichwort der Information – Teil des deliberativen Governance‑Ansatzes ist. Bach greift eine Fragestellung auf, die in den 1970er‑Jahren (Stichwort Aktionsforschung) prominent diskutiert und auch in nachfolgenden BMBF‑Förderprogrammen reflektiert wurde. Kritisch anzumerken ist, dass die Autorin diese Debatte kaum rezipiert und es dem Buch insbesondere wegen der Überfülle an Grafiken, Schaubildern und Tabellen an Struktur und Lesefreundlichkeit mangelt.
Alexandra Scheele (AS)
Dr., Politikwissenschaftlerin, Akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl Wirtschafts- und Industriesoziologie der BTU Cottbus.
Rubrizierung: 5.2 | 2.2 | 2.322 | 2.342
Empfohlene Zitierweise: Alexandra Scheele, Rezension zu: Ursula Bach: Deliberative Governance in der Arbeitsforschung. Opladen u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36533-deliberative-governance-in-der-arbeitsforschung_44652, veröffentlicht am 19.12.2013.
Buch-Nr.: 44652
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Dr., Politikwissenschaftlerin, Akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl Wirtschafts- und Industriesoziologie der BTU Cottbus.
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