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/ 21.06.2013
Ino Augsberg / Tobias Gostomzyk / Lars Viellechner

Denken in Netzwerken. Zur Rechts- und Gesellschaftstheorie Karl-Heinz Ladeurs

Tübingen: Mohr Siebeck 2009; VIII, 112 S.; brosch., 34,- €; ISBN 978-3-16-149924-1
Augsberg, der bereits mit Ladeur gemeinsam publizierte, hebt zusammen mit seinen Koautoren hervor, dass dessen Texte sehr komplex seien. Und da sich gemäß eines Diktums von Adorno Philosophie nicht referieren lasse, werde „keine traditionelle Einführung“ (V) vorgelegt, sondern „drei Lektüreprotokolle, die nicht den Anspruch erheben, den oder die Hauptgedanken Ladeurs ‚zutreffend’ wiederzugeben“ (VI). Nach dieser Huldigung Ladeurs, Professor für Rechtswissenschaft in Hamburg, stellen die Autoren als Charakteristikum seiner rechtstheoretischen Überlegungen ein „Denken in Netzwerken“ heraus. Es baue auf einer soziologischen Perspektive bei der Beobachtung und Erklärung gesellschaftlicher Entwicklung auf. Diese sei auch im Weiteren nicht von der rechtswissenschaftlichen Analyse zu trennen. Die Autoren betonen die Nähe des Werks von Ladeur zur Luhmann’schen Systemtheorie. Weiter führen sie aus, dass an die Stelle eines starren Theoriedesigns der „Vernunftbegriff“ getreten sei, „der nicht länger vertikal durch ein Prinzip des letzten Grundes [...] fundiert sein soll, sondern als transversale oder laterale Vernunft sich selbst durch vielfältige horizontale Bindungen stabilisiert“ (3). Im Einzelnen dargestellt wird „Ladeurs Konzeption eines postmodernen Rechts“ (87) anhand seiner Ausführungen zur Rechts-, Medienrechts- sowie Globalisierungstheorie. Die Definition als Postmoderne sei „als entschiedener Kontrapunkt zum Habermas’schen Projekt der ‚unvollendeten Moderne’ und der damit konnotierten Idee des ‚Fortschritts’ gesetzt“ (9 f.), erläutert Augsberg. Bezogen auf das Medienrecht bedeute dieser Ansatz das konkrete Bemühen, „die Medienwirklichkeit nicht aus dem Blick zu verlieren“ (43), schreibt Gostomzyk und erläutert beispielsweise Ladeurs Kritik an der Rechtsprechung im Presserecht – diese gelte den Begründungen, denen ein „überkommendes Öffentlichkeitsmodell“ (45) zugrunde liege. Die staatliche Aufgabe aber bestehe nur darin, „moderierend zu intervenieren, um durch die Intervention neue Handlungschancen zu eröffnen“ (64).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.465.445.412.2 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Ino Augsberg / Tobias Gostomzyk / Lars Viellechner: Denken in Netzwerken. Tübingen: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30769-denken-in-netzwerken_36562, veröffentlicht am 02.09.2009. Buch-Nr.: 36562 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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