/ 19.06.2013
Peter Steinbach
Der 20. Juli 1944. Gesichter des Widerstands
München: Siedler Verlag 2004; 352 S.; Ln., 24,- €; ISBN 3-88680-155-1Ein Denkmal in Essayform hat Steinbach, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin und Professor für Neuere und Neuste Geschichte in Karlsruhe, den aktiven Gegner des NS-Regimes gesetzt. Im Mittelpunkt der ausgewählten Biografien stehen u. a. Helmuth James Graf von Moltke, Carlo Mierendorff, die Weiße Rose und Otto Heinrich von der Gablentz. Anders als der Buchtitel vermuten lässt, beschränkt sich Steinbach also nicht auf Militärs. Ausdrücklich verneint er vielmehr eine Trennlinie zwischen dem militärischen und dem zivilen Widerstand - „der innenpolitisch relevante gemeinsame Nenner“ (48) aller Gruppierungen sei die Wiederherstellung des Rechts gewesen. Der 20. Juli 1944 sei weder als Militärputsch noch als Offiziersrevolte zu sehen, wie die Kontakte zu bereits in der Weimarer Zeit aktiven Politikern zeigten. Das Vorgehen des Kreisauer Kreises sei eindeutig durch den Primat der Politik geprägt gewesen und habe sich damit in der Selbstbegrenzung des militärischen Handelns ausgezeichnet. Steinbach fragt deshalb, ob diese „Zivilisierung militärischer Macht im Widerstand gegen Hitlers Herrschaft“ nicht so schwer wiege, dass „der müßige Streit um angeblich vordemokratische und antiparlamentarische Ziele des Widerstandes“ (52) beendet werden könnte. Der Autor ist diesen Schritt mit seinem Buch jedenfalls gegangen; er zeigt in beeindruckender Weise das moralisch motivierte Handeln der Widerstandskämpfer, die ihr Leben für ein gerechtes Ziel einsetzten.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Peter Steinbach: Der 20. Juli 1944. München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20917-der-20-juli-1944_24393, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24393
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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