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/ 06.06.2013
Manfred Zeidler

Der 20. Juli 1944. Eine Replik

Göttingen: V&R unipress 2005 (Berichte und Studien 48); 106 S.; kart., 15,- €; ISBN 3-89971-213-7
Der Verfasser strebt keine Darstellung der damaligen Abläufe oder eine Enthüllung neuer Erkenntnisse an, vielmehr will er die teilweise recht unterschiedlichen Einschätzungen der Ereignisse kritisch diskutieren. So vertritt er beispielsweise die Auffassung, dass das Gelingen des Attentates keineswegs das Ende des Krieges bedeutet und damit das unnötige Sterben von zahlreichen Menschen verhindert hätte. Auch sei die häufig fast umstandslos gewährte Legitimation der Attentäter keineswegs so eindeutig gegeben, schließlich habe es sich trotz allem um Hochverrat und um einen Mordversuch gehandelt, was den Attentätern selbst sehr bewusst gewesen sei und bei ihnen durchaus zwiespältige Gefühle hervorgerufen habe. Zudem sei nicht davon auszugehen, dass die Attentäter in erster Linie eine sofortige Demokratisierung Deutschlands herbeigeführt hätten. Vielmehr hätten sie vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen mit der Weimarer Republik teilweise durchaus ein distanziertes Verhältnis zur Demokratie gehabt. In erster Linie sei die Wiederherstellung von Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit ein wesentliches Ziel der Attentäter gewesen. Deshalb sei das Handeln aus moralischer Integrität und innerer Überzeugung der nach dem Scheitern zum Tode verurteilten Akteure vielleicht von größtem bleibendem Wert für die Geschichte und die moderne deutsche Demokratie.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.3122.35 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Manfred Zeidler: Der 20. Juli 1944. Göttingen: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8953-der-20-juli-1944_27907, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 27907 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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