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/ 21.06.2013
Klaus Kinner

Der deutsche Kommunismus. Selbstverständnis und Realität. Band 3: Im Krieg (1939 bis 1945)

Berlin: Karl Dietz Verlag 2009 (Geschichte des Kommunismus und Linkssozialismus VIII); 423 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-320-02149-8
Bemerkenswert ist der inhaltliche Kern der Beiträge – Kinner und seine Mitautoren beschreiben den kommunistischen Widerstand gegen das NS-Regime als einen „Bestandteil eines Netzwerkes antifaschistischer Strukturen unterschiedlicher politischer Herkünfte“ (9). Damit wird eine strikte Trennlinie zur Geschichtsschreibung der SED gezogen, die nach Ansicht von Kinner wahrheitswidrig stets den Eindruck erweckt hatte, der kommunistische Widerstand sei zentral geleitet worden. Dazu aber sei die Führungsgruppe der KPD in Moskau, „dezimiert durch den Terror Stalins und verstrickt in diesen“ (9), gar nicht in der Lage gewesen. Auf den Prüfstand gerät allerdings auch die Geschichtsschreibung in der alten Bundesrepublik, in der das Attentat vom 20. Juli 1944 in den Mittelpunkt gestellt und die Bedeutung des kommunistischen Widerstandes eher marginalisiert worden war (sicher auch, weil die SED diesen zur Legitimation ihres Regimes heranzog). Im ersten Kapitel wird die KPD zwischen „Selbstverleugnung und wiedergewonnener Identität“ (13) porträtiert. Im zweiten Teil wird der Ansatz, den kommunistischen Widerstand als Teil eines Netzwerkes zu begreifen, vertieft. Dies geschieht am Beispiel der Roten Kapelle, die von der Gestapo „zur eigenen Reputation und wider besseren Wissen“ (Hans Coppi, 204) dem sowjetischen militärischen Nachrichtendienst zugeordnet worden war – diese Legende, mit der ihre Bedeutung gemindert worden sei, habe sich bis in die westdeutsche Nachkriegsgeschichtsschreibung gehalten. Tatsächlich aber hätten sich von 1940 bis Anfang 1942 sieben Freundes- und Widerstandskreise um den Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium Arvid Harnack und andere überschnitten, die keinesfalls von der KPD gesteuert gewesen seien und auch keine gemeinsame Programmatik besessen hätten. Im dritten Kapitel wird das Attentat vom 20. Juli 1944 gewürdigt sowie die kommunistischen Diskussionen im westlichen Exil über die Zukunft Deutschlands vorgestellt (zu den ersten beiden Bänden der Reihe siehe ZPol-Nr. 12695 und 27111).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3122.331 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Klaus Kinner: Der deutsche Kommunismus. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30201-der-deutsche-kommunismus_35813, veröffentlicht am 16.06.2009. Buch-Nr.: 35813 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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