/ 20.06.2013
Narihiko Itô
Der Friedensartikel der Japanischen Verfassung – Für eine Welt ohne Krieg und Militär. Hrsg. und mit einer Einleitung versehen von György Széll. Aus dem Japanischen übertragen von Asa-Bettina Withenow
Münster: agenda Verlag 2006 (agenda Frieden); 315 S.; 34,80 €; ISBN 978-3-89688-274-5Im Artikel 9 der japanischen Verfassung verzichtet Japan ausdrücklich auf das Recht zur Kriegsführung und den Unterhalt von Streitkräften. Der japanische Friedensforscher Itō analysiert die Entstehungsgeschichte und die Kämpfe um die Interpretation des Artikels 9 aus einer dezidiert friedenspolitischen Perspektive. Auch zu den gegenwärtigen Bestrebungen konservativer japanischer Politiker, den Kriegsverzicht aus der Verfassung zu streichen, äußert Itō sich in klaren Worten. Er hält jede Änderung der japanischen Verfassung für falsch, die Abstriche vom unbedingten Kriegsverbot macht. Seine Darstellung der Entstehung des Artikels ist sehr detailliert ausgefallen und bietet einen informativen Blick auf den Forschungsstand zu dem Thema. Die japanische Perspektive und die Einbeziehung japanischer Quellen heben das Buch aus den übrigen – in deutscher Sprache eher spärlich vorhandenen – Untersuchungen über den Artikel 9 hervor. Besonders interessant ist auch Itōs These, dass der Artikel 9 nicht ein reines Nachkriegsprodukt sei. „Vielmehr existierten in Japan bereits eine Denkweise, geschichtliche Traditionen und kulturelle Hintergründe, welche die Basis für diese Geisteshaltung bilden.“ (20) Nicht zuletzt dieses andere Bild von Japan will Itō vermitteln. So zieht er etwa in Kapitel 3 eine Linie vom Kellogg-Briand-Pakt zum Artikel 9, nicht zuletzt, weil der japanische Ministerpräsident Shidehara, der dem Oberbefehlshaber der Alliertern Streitkräfte Mac Arthur den Vorschlag zur Einfügung des Kriegsverzichts gemacht hatte, im Vorkriegsjapan der vehementeste Unterstützer des Paktes gewesen war. Aber auch in weiter zurückliegenden historischen Epochen findet Itō Nachweise für Friedensbewegungen. Nicht immer überzeugt dabei die Verbindung zum Artikel 9. Hin und wieder fragt man sich auch, warum Itō so weit ausholt bzw. insgesamt neun Exkurse einschieben musste, die auch nicht immer mit dem Thema zu tun haben. Insgesamt erhält der Leser jedoch eine engagierte, informative Auseinandersetzung mit einer pazifistischen Tradition, die nach wie vor weltweit einzigartig ist.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.68 | 2.21 | 2.23 | 4.1 | 4.22 | 4.41 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Narihiko Itô: Der Friedensartikel der Japanischen Verfassung – Für eine Welt ohne Krieg und Militär. Münster: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25914-der-friedensartikel-der-japanischen-verfassung--fuer-eine-welt-ohne-krieg-und-militaer_30127, veröffentlicht am 16.08.2007.
Buch-Nr.: 30127
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M. A., Politikwissenschaftler.
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