/ 22.06.2013
Tessa Szyszkowitz
Der Friedenskämpfer. Arafats geheimer Gesandter Issam Sartawi
Wien: Picus Verlag 2011; 254 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-85452-678-01979 erhielt der Palästinenser Issam Sartawi als Wegbereiter des israelisch-palästinensischen Dialogs zusammen mit dem Israeli Arie Lova Eliav den Bruno-Kreisky-Preis für Menschenrechte. Eine Sternstunde war dies für ihn dennoch nicht, so der Eindruck aus den Schilderungen der österreichischen Journalistin Szyszkowitz. Kreisky hatte zwar Sartawi in Europa einige Türen öffnen können; von dem Ziel, der PLO zu internationaler Anerkennung zu verhelfen, blieb der Gesandte von Jassir Arafat gleichwohl entfernt. Nicht einmal in den eigenen Reihen wurde sein Engagement unterstützt, für viele Palästinenser galt jeder Versuch eines Dialogs mit Israel als Verrat. Die letzte Konsequenz musste Sartawi vier Jahre nach der Preisverleihung, nachdem Arafat ihm die Unterstützung entzogen hatte, erleiden – er wurde in Portugal im Auftrag der terroristischen Abu-Nidal-Organisation ermordet. Szyszkowitz stellt die Dialogbemühungen Sartawis, die letztlich nicht erfolgreich waren, in den Mittelpunkt dieser Biografie. Allerdings nimmt sie zu sehr dessen Perspektive ein, was zu einer Distanzlosigkeit gegenüber der Art und Weise, wie die Palästinenser nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung strebten, führt – Sartawis terroristische Vergangenheit, in der er wahrscheinlich Tote mitzuverantworten hatte, wird wenig berücksichtigt. Auch der Terror, den die Palästinenser in Europa und Israel ausübten, wird nicht angemessen als einer der zentralen Gründe dafür erörtert, warum es lange Jahre unmöglich war, über einen Frieden im Nahen Osten substanziell zu reden; die Autorin erweckt eher den Eindruck, als ob die Probleme der Palästinenser, die selbst vor allem als uneinig erscheinen, nur irgendwie über sie gekommen sind. Die Darstellung der israelischen Belange kommt ebenso zu kurz wie die der Haltungen der europäischen Staaten und der USA. Die Darstellung ist damit einseitig geraten und zudem wenig spannend zu lesen. Das Buch ist nicht für Leser zu empfehlen, die sich fundiert über den Nahostkonflikt – oder auch nur über die Geschichte der Palästinenser – informieren möchten.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.1 | 2.63
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Tessa Szyszkowitz: Der Friedenskämpfer. Wien: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34241-der-friedenskaempfer_41094, veröffentlicht am 01.12.2011.
Buch-Nr.: 41094
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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