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/ 21.06.2013
Rüdiger Voigt (Hrsg.)

Der Hobbes-Kristall. Carl Schmitts Hobbes-Interpretation in der Diskussion

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2009 (Staatsdiskurse 7); 204 S.; 37,- €; ISBN 978-3-515-09398-9
Thomas Hobbes’ Staatsphilosophie bleibt aktuell. Allerdings sollte man sie nicht (nur) in der partiell verfälschenden, jedenfalls subjektiven Lesart Carl Schmitts (ein „Vorgang projektiver Identifizierung“, 152) verstehen. Voigt nutzt den Vergleich der beiden Staatsdenker zu allgemeinen Überlegungen zum Wesen des modernen Konservativismus. Wolfgang Kersting kontrastiert zunächst die rationale, mit Nutzenerwägungen argumentierende Staatserklärung Hobbes’ mit der die Staatszugehörigkeit als Pflicht auffassenden Konzeption Kants und der geschichtsteleologischen Perspektive Hegels. In einem zweiten Beitrag nimmt er Schmitts Hobbes-Interpretation zum Anlass für eine Explikation der kontraktualistischen, individualbezogenen und im Sinne der Sicherungsfunktion materiell aufgeladenen, aber säkularen Grundlagen des Staates nach Hobbes und erklärt diese Staatsgründung als Schaffung einer spezifisch humanen, da von Menschen geschaffenen und ohne metaphysischen Überbau auskommenden künstlichen Welt. Dazwischen verweist Hans-Martin Schönherr-Mann auf die liberale Grundtendenz bei Hobbes, soweit dieser einen Primat des Individuums annehme. Eine Vergleichsperspektive kennzeichnet auch die Beiträge von Andreas Anter und Günter Maschke. Anter expliziert die Bedeutung des Ordnungsdenkens für Hobbes und die Übernahme unterschiedlicher Aspekte durch Schmitt einerseits, Talcott Parsons andererseits. Maschke erklärt Schmitts Position als Zusammenführung der eigentlich unvereinbaren Konzepte von Hobbes und Donoso Cortés. Daneben weist Peter Nitschke nach, dass die von Schmitt verwendete Maschinenmetapher kaum mit dem Hobbes’schen Staatsverständnis in Einklang steht, und erklärt sie als verdeckte Kritik an der nationalsozialistischen Herrschaftspraxis. Diese Fragestellung wird ähnlich im Rahmen von Samuel Salzborns Beschäftigung mit der Bedeutung des Mythos von Leviathan und Behemoth angesprochen, dort aber eher im Sinne eines Sowohl-als-auch beantwortet. Auch sonst ist der Band nicht frei von internen Spannungen, gewinnt aber gerade hieraus seinen Reiz.
Steffen Augsberg (AU)
Prof. Dr., Professur Öffentliches Recht, Justus-Liebig-Universität Gießen.
Rubrizierung: 5.465.415.32 Empfohlene Zitierweise: Steffen Augsberg, Rezension zu: Rüdiger Voigt (Hrsg.): Der Hobbes-Kristall. Stuttgart: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31835-der-hobbes-kristall_37955, veröffentlicht am 28.01.2010. Buch-Nr.: 37955 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA