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/ 05.06.2013
Kimberley Cornish

Der Jude aus Linz. Hitler und Wittgenstein. Aus dem Englischen von Angelus Johansen

Berlin/Frankfurt a. M.: Ullstein 1998; 432 S.; geb., 48,- DM; ISBN 3-550-06970-7
Nach Ansicht des Autors habe der Holocaust nur wenig mit dem traditionellen Antisemitismus zu tun. Zudem müsse aus der Perspektive eines religiösen Standpunktes gefragt werden, wie Jahwe dies an seinem Volk geschehen lassen konnte. Antwort findet Cornish in einer tieferen Untersuchung der "Metaphysik des Nazismus". Er kommt zu dem Schluss, dass der Ursprung des Holocaust "in einer Perversion früher arischer religiöser Lehren über die endgültige Natur des Menschen" (343.) liege. Durch eine persönliche Begegnung in ihrer Schulzeit soll ausgerechnet Wittgenstein Hitler zu einer Geschichtsmystik über den Kampf der Rassen inspiriert haben. In einer abenteuerlichen Interpretationsreihe über Wagner, Clausewitz, Schopenhauer, Thomas von Aquin und Strawson konstruiert Cornish tatsächlich eine "kausale Abfolge" (344) von Wittgensteins Philosophie zur Vernichtung der Juden. Wittgensteins eigentliches Thema sei die "göttliche Schöpfung" gewesen (der Logos, das göttliche Wort). "Das letzte Ziel seiner Philosophie war die mystische Erleuchtung, die durch die Umwandlung der Seele des Aspiranten in die universelle Seele zu erreichen sei." Hitler habe die "Lehre der Nicht-Subjektivität des Geistes" (340) übernommen und diesen Geist rassistisch gedeutet.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.3122.3115.46 Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Kimberley Cornish: Der Jude aus Linz. Berlin/Frankfurt a. M.: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6794-der-jude-aus-linz_9135, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9135 Rezension drucken
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