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/ 19.06.2013
Ulrich Beck

Der kosmopolitische Blick oder: Krieg ist Frieden

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2004 (Edition Zweite Moderne); 288 S.; brosch., 14,80 €; ISBN 3-518-41608-1
Beck formuliert die Leitthese, dass der Kosmopolitismus die Signatur der zweiten, reflexiv gewordenen Moderne geworden sei. Im Zuge der realen Kosmopolitisierung der Wirklichkeit müsse sich daher auch der Blick der Sozialwissenschaften verändern. An die Stelle des „methodologischen Nationalismus" habe der „kosmopolitische Blick" zu treten (8), der sich nicht am Kategoriensystem des Nationalstaates orientiere, sondern die Vielfältigkeit transnationaler Lebensformen und inklusiver Identitäten erfasse. Unter Kosmopolitisierung versteht Beck jene gewöhnlich unter dem Stichwort „Globalisierung" zusammengefassten Phänomene, die über wirtschaftliche Prozesse hinausgehen. Um sie angemessen beschreiben zu können, bedürfe es eines „empirisch-analytischen Kosmopolitismus" (31) in den Wissenschaften, der den „kosmopolitische[n] Satzbau der Wirklichkeit" (31) entziffern könne. Beck, der unstreitig zu den führenden Theoretikern der Globalisierung zählt, mahnt damit einige sinnvolle Kurskorrekturen in den Sozialwissenschaften an. Wer mit seinen Theorien der Weltrisikogesellschaft, der Zweiten Moderne und seinen Schriften zur Globalisierung vertraut ist, wird in seinem aktuellen Buch wenig Neues finden - eine bemerkenswerte Erweiterung gibt es allerdings. Beck wendet seine Theorien nun auch auf das zwischenstaatliche Verhalten an. Der Satz „Krieg ist Frieden" soll auf die Tatsache hinweisen, dass im Zeitalter asymmetrischer, nicht erklärter Kriege die scharfe Trennung zwischen Friedens- und Kriegszustand nicht mehr aufrecht zu erhalten sei. Allerdings: „Der normativ-politische Kosmopolitismus [...] muss sich gleich zu Beginn einer unbequemen Wahrheit stellen, nämlich der Paradoxie, dass die erfolgreiche Institutionalisierung des kosmopolitischen Regimes, das dem Ziel dient, den Weltfrieden zu sichern, genau das Gegenteil dessen heraufbeschwört: die Legitimierung und Legalisierung des Krieges." (198) Ob sich diese „Krieg ist Frieden"-Befunde aber tatsächlich in die Theorie reflexiver Modernisierung einbauen lassen, ist allerdings fraglich.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.425.442.24.1 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Ulrich Beck: Der kosmopolitische Blick oder: Krieg ist Frieden Frankfurt a. M.: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20933-der-kosmopolitische-blick-oder-krieg-ist-frieden_24416, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 24416 Rezension drucken
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