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/ 05.06.2013
Geoffrey Hartmann

Der längste Schatten. Erinnern und Vergessen nach dem Holocaust. Aus dem Englischen von Axel Henrici

Berlin: Aufbau-Verlag 1999; 288 S.; brosch., 34,- DM; ISBN 3-351-02488-6
In den letzten fünfzig Jahren wurde der Holocaust keineswegs aufgearbeitet, sondern vielmehr war diese Zeit "eine Periode der Beweiserhebung und des Faktensammelns" (12). Ebenso wurden in dieser Zeit die Instrumente geschaffen, welche es überhaupt erst möglich machen, sich dem Holocaust zu nähern und die durch ihn hervorgerufene Erschütterung auszudrücken - so das zentrale Argument von Hartmann in seinen in diesem Buch gesammelten Essays. Er fokussiert in diesen nicht auf den Holocaust selber, sondern auf die Nachwirkungen: "den langen Schatten" oder die "Katastrophe nach der Katastrophe". Kern sind dabei die Modi der Erinnerung, wobei das "öffentliche Gedächtnis selbst zu einem Gegenstand des Nachdenkens" (16) wird. Die Dimensionen, in denen sich das Nachdenken bei Hartmann vollzieht, sind in erster Linie die Kunst, aber auch Politik, Soziologie und Historiographie. Indem er Argumente aufbaut, die dafür sprechen, daß die Auseinandersetzung mit dem Holocaust gerade erst begonnen hat, entwickelt er eine ausdrucksstarke Gegenposition zu einer Schlußstrichdebatte. Darüber hinaus wirft er Fragen zur Verantwortung im Rahmen einer künstlerischen oder fiktionalen Aufarbeitung des Holocaust, wie in den Filmen "Shoa" von Lanzmann und "Schindlers Liste" von Spielberg, auf.
Stefan Göhlert (SG)
M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
Rubrizierung: 2.352.312 Empfohlene Zitierweise: Stefan Göhlert, Rezension zu: Geoffrey Hartmann: Der längste Schatten. Berlin: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7904-der-laengste-schatten_10478, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10478 Rezension drucken
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