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/ 18.06.2013
Peter Müller

Der Staatsgedanke Cassirers

Würzburg: Königshausen & Neumann 2003 (Epistemata: Reihe Philosophie 337); 243 S.; 34,- €; ISBN 3-8260-2438-9
Cassirers Kulturphilosophie der symbolischen Formen - der Mensch als „animal symbolicum" - erlebt vor dem Hintergrund des „cultural turn" in den Sozialwissenschaften allgemein eine Renaissance. Von besonderem politikwissenschaftlichen Interesse ist seine 1946 erschienene Spätschrift über den Staat als modernen politischer Mythos, die in der Auseinandersetzung mit den politischen und „ersatzreligiösen" Implikationen des Nationalsozialismus entstand. Müller hat nun eine Arbeit vorgelegt, die den für die politische Theorie bedeutsamen, aber fast vergessenen Zugang Cassirers zum Staatsproblem endlich rekonstruiert. Dabei werden zwei Untersuchungsrichtungen verfolgt: Müller zeigt zum einen, dass sich der Zusammenhang von Symbol, Staat und Mythos bei dem vom Marburger Neukantianismus geprägten Cassirer schon in den 20er-Jahren entwickelte. Darüber hinaus gewinnt er als „Destillat" aus der Analyse der eher ideengeschichtlichen Arbeiten Cassirers zu Staat und Politik den hier insgesamt zugrunde liegenden Staatsbegriff. Diese Schriften Cassirers sind daher - so die zentrale These - „nichts bloß Zufälliges" (233), sondern vielmehr geradezu Ausdruck eines systematischen Denkens über den Staat, das in seiner Philosophie der symbolischen Formen wurzelt. Aus dem Inhalt: A. Analyse des Staatsbegriffs Cassirers: I. Erkenntnistheoretische Voraussetzungen 1. Cassirers kritischer Idealismus 2. Die Erweiterung des Kritizismus Kants 3. Die Logik des Symbolbegriffs. II. Praktische Voraussetzungen und Strukturen III. Cassirers ideengeschichtliche Analyse des politischen Denkens unter dem Aspekt von Mythos: 1. Der Staat Platons 2. Die mittelalterliche Staatstheorie 3. Machiavellis Begriff einer politischen Wissenschaft 4. Die Romantik 5. Carlyle 6. Gobineaus Rassentheorie 7. Hegels Staatstheorie IV. Mythos, Staat und Politik im 20. Jahrhundert 1. Der Mythos des Führers und die Erzeugung eines Feindbildes 2. Sprache und Ritus 3. Prophetie und Fatalismus 4. Das Problem einer rationalen Politik B. Die Konstruktion des Staatsgedankens Cassirers I. Das Wesen des Staates II. Die logische Struktur des Staatsgedankens III. Inhaltliche Ausformungen IV. Das Problem des Staatswillens V. Cassirers Begriff des Staates - ein Ekklektizismus?
Robert Chr. van Ooyen (RVO)
Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
Rubrizierung: 5.465.41 Empfohlene Zitierweise: Robert Chr. van Ooyen, Rezension zu: Peter Müller: Der Staatsgedanke Cassirers Würzburg: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18999-der-staatsgedanke-cassirers_22046, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 22046 Rezension drucken
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