/ 20.06.2013
Tobias Wildi
Der Traum vom eigenen Reaktor. Die schweizerische Atomtechnologieentwicklung 1945-1969
Zürich: Chronos Verlag 2003 (Interferenzen 4); 279 S.; brosch., 24,80 €; ISBN 3-0340-0594-6Diss. Zürich; Gutachter: D. Gugerli. - Mitte der 50er-Jahre entschloss sich die Schweiz, eines der größten Industrieprojekte ihrer Geschichte zu realisieren: Das Land wollte einen eigenen kommerziell verwertbaren Atomreaktortyp entwickeln. Trotz großer Investitionen war das Vorhaben ein Misserfolg, denn am Tag der Inbetriebnahme explodierte ein Brennelement und verseuchte die gesamte Reaktorkaverne, die daraufhin in jahrelanger Arbeit dekontaminiert werden musste. Der Autor stellt den chronologischen Ablauf der Entscheidungsprozesse und die Rolle der Akteure dar. Zudem ordnet er die Ereignisse in den internationalen Zusammenhang ein. Er arbeitet heraus, warum das Projekt nicht gelingen konnte: Neben dem raschen technischen Fortschritt, mit dem die Schweiz aufgrund ihrer relativ geringen Finanzkraft nicht Schritt halten konnte, spielten insbesondere die verkrusteten Organisationsstrukturen eine entscheidende Rolle. Dadurch war es weder möglich, technische Weiterentwicklungen zu berücksichtigen und entsprechende Entscheidungen frühzeitig zu revidieren, noch waren die Akteure in der Lage, den absehbar unprofitablen Bau des Reaktors zu stoppen. Der Unfall, aber auch die fehlgeleiteten Investitionen hätten aber, so das Fazit des Autors, wahrscheinlich durch bessere Entscheidungsstrukturen verhindert werden können.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.5 | 2.263
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Tobias Wildi: Der Traum vom eigenen Reaktor. Zürich: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23019-der-traum-vom-eigenen-reaktor_26321, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 26321
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
CC-BY-NC-SA