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/ 17.06.2013
Joachim Fest

Der Untergang. Hitler und das Ende des Dritten Reiches. Eine historische Skizze

Berlin: Alexander Fest Verlag 2002; 208 S.; 4. Aufl.; geb., 17,90 €; ISBN 3-8286-0172-3
Metertief unter der Erde hatte Hitler im Verlauf des Krieges eine weit verzweigte Bunkeranlage errichten lassen, aus der heraus er in der letzten Kriegsphase sein rasch schrumpfendes Reich befehligte. Die Geschehnisse in der düsteren Atmosphäre dieses Bunkers werden von Fest in erzählerischem Ton geschildert. Neben handfesten Informationen über die zunehmend chaotischen Zustände in der Reichsführung, die gleichwohl immer noch im Banne ihres immer erratischer und wahnwitziger werdenden Führers stand, erhält der Leser vor allem einen genauen Eindruck der Weltuntergangsstimmung, die über allem lag. Sie zeigt sich jedoch nicht nur in der Rückschau: Fest weist in den Äußerungen und Handlungen der Bunkerinsassen nach, dass Hitler trotz scheinbar immer wieder aufkeimender Hoffnungen auf Phantomarmeen und Wunderwaffen den dramatischen Zusammenbruch geradezu herbeisehnte. Die militärisch unsinnigen Durchhaltebefehle, die er seinen Generalen zuhauf erteilte, sind anders nicht zu erklären. Zudem äußerte der Diktator selbst bei vielen Gelegenheiten seine Verachtung über ein Volk, das in seinen Augen zu schwach gewesen sei und deshalb den Untergang verdient habe. Fest zeichnet das Bild eines Mannes, dessen Handeln bis zu letzt auf dem darwinistischen Prinzip des Rechts des Stärkeren beruhte, bis hin zur letzten Konsequenz, dass derjenige der sich als der Schwächere herausstellt, untergehen muss - und sei es das eigene Volk. Über die verdienstvolle Darstellung der Abläufe im Führerhauptquartier hinaus kristallisieren sich in Fests Betrachtung der letzten Tage des Dritten Reiches die leitenden Prinzipien Hitlers heraus: Eroberung und Unterwerfung, um weiter erobern und unterwerfen zu können. Dabei unterscheidet der Diktator sich in einem wesentlichen Punkt von anderen Eroberern: "Was Hitler zu einer Erscheinung macht, wie es sie in der Geschichte tatsächlich 'nie gegeben hat', geht insbesondere darauf zurück, daß er ohne jede zivilisatorische Idee war." (189) So beklemmend wie diese Einsicht ist auch Fests Schilderung der Atmosphäre und der Geschehnisse unter dem meterdicken Betondach des Führerbunkers. Sein Buch richtet sich dabei nicht nur an Wissenschaftler, die vielleicht sogar das Fehlen eines Fußnotenapparats kritisieren oder zumindest bedauern werden. Es ist vielmehr Geschichtsschreibung im besten Sinne auch für eine breite, historisch interessierte Leserschaft.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Joachim Fest: Der Untergang. Berlin: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16973-der-untergang_19494, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19494 Rezension drucken
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