/ 11.06.2013
Christopher R. Browning
Der Weg zur "Endlösung" Entscheidungen und Täter. Aus dem Amerikanischen von Jürgen P. Krause
Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 1998; 231 S.; brosch., 39,80 DM; ISBN 3-8012-5024-5Bekannt geworden ist der amerikanische Historiker Browning (Pacific Lutheran University in Tacoma/Washington) durch sein Buch: "Ganz normale Männer. Das Polizeibataillon 101 und die 'Endlösung' in Polen." In seinen hier nochmals vorgelegten Aufsätzen zum Holocaust (für die deutsche Ausgabe leicht überarbeitet und aktualisiert, ursprünglich erschienen in den Jahren 1986 bis 1996) kristallisiert sich seine Linie deutlich heraus: Es gab keinen Führerbefehl zum Holocaust und es gab auch keine langsame Entwicklung zur sogenannten "Endlösung", sondern eine Art Zeitfenster, in dem der Entschluss heranreifte und schließlich umgesetzt wurde. Es gab wohl auch keine grundlegende Definition bei den Tätern, was denn die "Endlösung" ist oder sein kann. Und schließlich zeugen die vielfältigen Eigeninitiativen zur "Endlösung", geplant und ausgeführt von nachgeordneten Behörden oder Befehlshabern, dass es eben keine zentral organisierte Vernichtungskampagne bis in die ersten Monate des Krieges mit der Sowjetunion gab. Ein wichtiges Kriterium für die Entscheidung zur "Endlösung" war sicherlich die militärische Situation zum Jahreswechsel 1941/42, die einen langen Krieg prognostizieren ließ. Durch die Forschungen zum Holocaust in den neunziger Jahren fühlt sich Browning in seinen Grundannahmen bestätigt, wobei er allerdings auch erkennen lässt, dass er die gegenwärtige Forschung - und damit auch seine eigene - zum Holocaust noch lange nicht am endgültigen Interpretationsziel angekommen sieht.
Inhaltsverzeichnis: 1. Die nationalsozialistische Umsiedlungspolitik und die Suche nach einer "Lösung der Judenfrage" 1939-1941; 2. Die nationalsozialistische Ghettoisierung in Polen 1939-1941; 3. Jenseits von "Intentionalismus" und "Funktionalismus": Die Entscheidung zur "Endlösung"; 4. Bürokratie und Massenmord: Was deutsche Verwaltungsbeamte unter "Endlösung" verstanden; 5. Mehr als Warschau und Lodz: Der Holocaust in Polen; 6. Hitlers endgültige Entscheidung zur "Endlösung"? Riegners Telegramm in neuem Licht; 7. Daniel Goldhagens willige Vollstrecker; 8. Mensch, Kultur und Holocaust.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Christopher R. Browning: Der Weg zur "Endlösung" Bonn: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11371-der-weg-zur-endloesung_13477, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13477
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Dr., Historiker.
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