/ 21.06.2013
Olaf Bartz
Der Wissenschaftsrat. Entwicklungslinien der Wissenschaftspolitik in der Bundesrepublik Deutschland 1957-2007
Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2007 (Geschichte); 312, 16 S.; kart., 44,- €; ISBN 978-3-515-09074-2Der Wissenschaftsrat – zusammengesetzt aus Bund, Ländern und Spitzenorganisationen der Wissenschaft – ist mit seiner beratenden Funktion seit 1958 ein wichtiges Gremium für die deutsche Forschungslandschaft. Bartz stellt in einer historisch-chronologischen Analyse die Arbeit des Gremiums vor. Zunächst werden die Gründungsmotive herausgearbeitet, die u. a. in der Angst vor einem technologischen Rückfall gegenüber der UdSSR und dem Bedarf einer stärker koordinierten Wissenschaftsförderung zu sehen sind. Die große Wirkung des Rates in der ersten Phase (1958-1964) ist im Wesentlichen auf die detailgetreue Umsetzung seiner Empfehlungen zum Hochschulausbau von 1960 zurückzuführen. In der zweiten Phase (1965-1975) war er mit den Problemen der Bildungsexpansion konfrontiert und geriet in eine schwere Krise. In der dritten Phase (1976-1989) spiegelt sich die allgemeine Stagnation des Wissenschaftsetats wider. Der Wissenschaftsrat suchte aber neue wissenschaftliche Konzeptionen, die sich stärker Qualitäts- denn Quantitätskriterien widmeten. In einem weiteren Kapitel wird die Rolle des Wissenschaftsrates während der Wiedervereinigung vertieft. Die Phase der 90er-Jahre ist von einem hohen Reformdruck geprägt. An der Lösungssuche war der Rat teilweise nur sekundär beteiligt. Mit der öffentlichen Finanzkrise geriet er auch hinsichtlich seiner Aufgabe der alljährlichen Rahmenplanung in Bedrängnis. Die letzte Phase (2001-2007) bedeutet eine Zäsur, da er mit der Föderalismusreform den Auftrag der Rahmenplanung verlor und mit der Exzellenzinitiative den Wettbewerbsgedanken nun konkret umsetzte. In die Analyse des Wissenschaftsrates werden die allgemeine Entwicklung des Wissenschaftssektors sowie die Interessen des Bundes und der Länder, aber auch der Einfluss einzelner Persönlichkeiten einbezogen. Insgesamt stellt der Autor die besondere Rolle des Wissenschaftsrates sehr gut heraus, hält aber gleichzeitig dessen Grenzen bei zu gegensätzlichen politischen Kräften fest und zeigt, dass er „die Rolle eines meinungsstarken Think-Tanks“ (271) nicht kontinuierlich einnehmen konnte.
Stefanie John (SJ)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.324 | 2.343
Empfohlene Zitierweise: Stefanie John, Rezension zu: Olaf Bartz: Der Wissenschaftsrat. Stuttgart: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28757-der-wissenschaftsrat_33923, veröffentlicht am 04.06.2008.
Buch-Nr.: 33923
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Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
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