/ 11.06.2013
Alexander Schalck-Golodkowski
Deutsch-deutsche Erinnerungen
Reinbek: Rowohlt 2000; 349 S.; 2. Aufl.; geb., 23,- €; ISBN 3-498-06330-8"Meine Macht war das Geld." (8) Schalck-Golodkowski versucht, mit seiner Biographie möglichst realistisch umzugehen. In seiner Zeit als Leiter des Bereichs Kommerzielle Koordinierung (KoKo) von 1966 bis 1989 verfügte er über 12,5 Milliarden DM, die "nach Maßgabe der Staats- und Parteiführung für bestimmte Zwecke" (205) auszugeben waren. Neben "Südfrüchten zu Weihnachten" gehörte auch die Ausstattung der Siedlung Wandlitz, in der Mitglieder der Partei- und Staatsführung wohnten, dazu. Um ihnen einen fast westlichen Lebensstandard zu ermöglichen, wurden jedes Jahr sieben Millionen DM verpulvert. Schalk-Golodkowski ist der Ansicht, dass KoKo "öffentliche" Aufgaben wahrgenommen hat und stellt seine Organisation mit den westdeutschen Banken gleich (206) - was eindeutig an der Sache vorbeigeht. Aber da der Autor für sich in Anspruch nimmt, legal auf Grundlage der DDR-Gesetze gehandelt zu haben, sind tiefgreifende Schuldeingeständnisse sowieso nicht zu erwarten. Im Zweifelsfall will er nichts genaues gewusst haben, so bei der Beschaffung von Antiquitäten für den Verkauf ins Ausland: "Ich bin davon ausgegangen, dass es sich um rechtmäßige Beschlagnahmen gehandelt hat." (201) Das Buch bietet dennoch einen Einblick in die KoKo-Geschäfte, mit denen sich die Unzulänglichkeiten des DDR-Wirtschaftssystems manifestierten.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.313 | 2.314
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Alexander Schalck-Golodkowski: Deutsch-deutsche Erinnerungen Reinbek: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12023-deutsch-deutsche-erinnerungen_14347, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14347
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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