/ 20.06.2013
Pierluca Azzaro
Deutsche Geschichtsdenker um die Jahrhundertwende und ihr Einfluß in Italien. Kurt Breysig, Walther Rathenau, Oswald Spengler
Bern u. a.: Peter Lang 2005 (Convergences 31); 769 S.; 86,- €; ISBN 978-3-03910-349-2Geschichtswiss. Diss. FU Berlin; Gutachter: E. Nolte. – Der Autor macht Breysig, Rathenau und Spengler erstmals zusammen zum Gegenstand einer vergleichenden Werkanalyse – gestützt auf die neuere Forschung, der zufolge etwa Rathenau und Spengler nicht länger als rein gegensätzlich betrachtet werden müssten. Die Arbeit gliedert sich zunächst chronologisch in zwei Teile. Im ersten wird geklärt, inwiefern die drei Affinitäten in ihrem (z. B. kulturmorphologischen) Denken erkennen lassen, die sich der gemeinsamen Zugehörigkeit zu einer Generation verdanken. Dabei wird phänomenologisch aus den Werken heraus vorgegangen, also in bewusster Vermeidung von außen angelegter Idealtypen, wie sie sich etwa in Anknüpfung an die Diskussion um die so genannte Konservative Revolution ergäben. Als zentrale Motive nennt Azzaro die Wahrnehmung der eigenen Zeit als potenzieller Zenit der Menschheitsgeschichte, die als anthropologische Gefahr erlebte Mechanisierung, ein an das Römische Reich gemahnendes Untergangsempfinden, sowie den beinahe eschatologischen Gedanken einer befreienden Errettung der erlebten Gegenwart. All dies, so eine weitere These, sei gedanklich jeweils schon in der Vorkriegszeit und nicht erst nach der Erfahrung des Krieges entwickelt worden. Im zweiten Teil fragt Azzaro dann auch danach, ob bzw. inwiefern sich das Denken der drei trotz aller Brüche auch über die Zäsur der deutschen Niederlage und der russischen Revolution hinaus fortsetzte, etwa insofern alle drei zuvor wie nachher Geschichtsdenker waren. Ein dritter Teil untersucht in vergleichender ideen- und ideologiegeschichtlicher Perspektive den Einfluss Rathenaus und Spenglers in Italien von 1918 bis 1945. Dabei geht es Azzaro um mehr als nur die historische Kontextualisierung. Er will im chronologischen Werkvergleich zwischen Rathenau und Spengler einerseits und (vor allem) Mussolini und Gramsci andererseits, Phasen in den je gegenseitigen Beziehungen zueinander herausarbeiten.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 5.46 | 2.61 | 2.311 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Pierluca Azzaro: Deutsche Geschichtsdenker um die Jahrhundertwende und ihr Einfluß in Italien. Bern u. a.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25626-deutsche-geschichtsdenker-um-die-jahrhundertwende-und-ihr-einfluss-in-italien_29732, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29732
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M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
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