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/ 22.06.2013
Bernd Wulffen

Deutsche Spuren in Argentinien. Zwei Jahrhunderte wechselvoller Beziehungen

Berlin: Ch. Links Verlag 2010; 260 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-86153-573-7
Schon auf dem Schiff Magellans, der Anfang des 16. Jahrhunderts im Auftrag der Spanier die lateinamerikanische Passage in den Pazifik entdeckte, segelte ein Deutscher mit. Und so waren seit der europäischen Entdeckung immer wieder Deutsche (und Österreicher) an der Entwicklung des Kontinents und Argentiniens beteiligt – Eduard Kailitz Freiherr von Holmberg brachte es Anfang des 19. Jahrhunderts zum Generalinspekteur der Truppen in Buenos Aires, der Kaufmann Johann Eschenburg gründete dort im Auftrag Preußens eine Handelsniederlassung, der Naturwissenschaftler Carl Burmeister wurde Direktor des neuen Museums. Wulffen, der 1970 als Jurist im Konsularreferat der Deutschen Botschaft in Buenos Aires begann das Land kennenzulernen, hat ein kurzweiliges Lesebuch über die Geschichte Argentiniens unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Immigranten und der argentisch-deutschen Beziehungen geschrieben. Immer wieder beobachtet er dabei, wie „die deutsche Disziplin, das Streben nach Ordnung, das ‚Aufräumenwollen’ [...] fundamental mit der spanisch-lateinamerikanischen Mentalität in Widerstreit geriet“ (35). Trotzdem erzählt er erst einmal eine Erfolgsgeschichte mit einer Blütezeit im 19. Jahrhundert: Deutsche gründeten ein Krankenhaus, Vereine, Schulen und die Deutsche Übersee-Bank, die Reederei Hamburg-Süd richtete eine regelmäßige Verbindung ein. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten spaltete sich allerdings die deutsche Gemeinschaft, die deutsch-argentinischen Beziehungen selbst kamen erst mit dem Kriegseintritt des südamerikanischen Landes 1940 zum Erliegen. Dieser Kriegseintritt habe allerdings nur der eigenen außenpolitischen Isolation vorbeugen sollen, so Wulffen. Kritisch stellt er dar, dass zahlreiche Nazis nach 1945 in Argentinien untertauchen konnten. Überhaupt ist die politische Kultur und das allgemein mangelnde Gefühl der Verantwortung für das Gemeinwesen nach Ansicht Wulffens der negative Fixpunkt in der argentinischen Geschichte, nachzuweisen bis in die Gegenwart. Dabei merkt man dem Autor das Unverständnis an, dass die Argentinier angesichts ihrer kulturellen und wissenschaftlichen Leistungen nicht in der Lage sein sollten, ihr Land auch politisch und wirtschaftlich erfolgreich zu entwickeln.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.652.314.214.222.22.24 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Bernd Wulffen: Deutsche Spuren in Argentinien. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32754-deutsche-spuren-in-argentinien_39120, veröffentlicht am 03.11.2010. Buch-Nr.: 39120 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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