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/ 22.06.2013
David Gilgen / Christopher Kopper / Andreas Leutzsch (Hrsg.)

Deutschland als Modell? Rheinischer Kapitalismus und Globalisierung seit dem 19. Jahrhundert

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2010 (Politik- und Gesellschaftsgeschichte 88); 440 S.; hardc., 48,- €; ISBN 978-3-8012-4199-5
Mit dieser Festschrift wird der Wirtschaftshistoriker Abelshauser geehrt. In ihrer Einleitung beschreiben die Herausgeber prägnant dessen herausragende Thesen sowie die damit verknüpfte theoretische Fortentwicklung. Bereits mit seiner Dissertation 1975 entwickelte Abelshauser auf der Basis belastbarer Daten eine Gegenposition zur bislang dominierenden Forschungsmeinung. Er wies nach, dass die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung in Westdeutschland nach 1945 bereits vor dem Eintreffen der Mittel aus dem Marshallplan einsetzte. Später vertiefte er diese Erkenntnisse und verankerte sie historisch. Dies führte zu der Einsicht, dass die NS-Kriegswirtschaft durch Investitionen in die Friedenswirtschaft einen erfolgreichen Start mitermöglicht hatte. Zudem stellte Abelshauser die These einer seit dem Kaiserreich sich konstituierenden korporativen Marktwirtschaft auf, deren besonderes Merkmal eine diversifizierte Qualitätsproduktion ist. Theoretisch waren diese Erkenntnisse erst mit der neuen Institutionenökonomie verknüpft, dann mit dem Neoinstitutionalismus. Dabei finden historische Pfadbedingungen von Wirtschaftskulturen eine besondere Beachtung. Die Herausgeber erläutern weiter, dass diese Thesen und Paradigmen in den Beiträgen aufgegriffen und weitergedacht werden. Thematisch umfassen sie entsprechend die Besonderheiten von Produktionsregimen, die korporatistische Ordnung der Wirtschaft sowie kulturelle Spezifika von Wirtschaftsordnungen. Dabei geht es keineswegs nur um die deutsche Entwicklung, sondern etwa auch um die Alkoholschattenwirtschaft der US-amerikanischen Prohibitionszeit als Beispiel einer gescheiterten Marktregulierung oder um das anpassungsfähige und krisenfeste Toyota-Produktionsregime. Übergreifend bedacht werden zudem Grundsatzfragen der Wirtschaftsgeschichte, verstanden als historische Sozialwissenschaft. Andreas Leutzsch zeigt mit Blick auf die Weltgesellschaftstheorien und ihre Fähigkeit, die Revolutionen von 1989 zu erklären, allerdings auch die Grenzen des Neoinstitutionalismus auf. Er schlägt vor, den Diskurs und die Vergleichshorizonte einzubeziehen – auch, um die Institution der Gleichheit besser analysieren zu können.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 1.32.32.312.3424.434.22.222.2622.642.652.68 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: David Gilgen / Christopher Kopper / Andreas Leutzsch (Hrsg.): Deutschland als Modell? Bonn: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33161-deutschland-als-modell_39629, veröffentlicht am 24.05.2011. Buch-Nr.: 39629 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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