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/ 22.06.2013
Tilman Mayer (Hrsg.)

Deutschland aus internationaler Sicht

Berlin: Duncker & Humblot 2009 (Schriftenreihe der Gesellschaft für Deutschlandforschung 96); 141 S.; 56,- €; ISBN 978-3-428-13067-2
Die in diesem Band dokumentierte „30. Jahrestagung der Gesellschaft für Deutschlandforschung [im Jahre 2008] verlief nicht ohne Turbulenzen. Drei Amerikaner, ein Israeli, ein Türke, ein Niederländer, ein Pole und ein Russe urteilten über Deutschland – aber ein neu-alter Ost-West-Gegensatz sollte“, so berichtet Mayer im Vorwort, „russischerseits mit starken Tönen [...] vorgetragen werden. [...] Der Vortragende aus Russland fand sich nicht nur in der Minderheit, nein, er stand fast alleine da.“ (7) Der Herausgeber hat sich für den Abdruck des zum Teil revisionistischen Textes des russischen Autors Wjatscheslaw Daschitschew – der 2008 in anderem Zusammenhang wegen rechtsextremer Verbindungen in die Kritik geraten war – entschieden. Indem Daschitschew über die Haltung der russischen Elite zu Deutschland schreibt, wartet er – sich mehrfach heftig im Ton vergreifend – mit allerlei Ressentiments gegenüber den USA auf. Dem gegenüber stehen Beiträge, in denen – zwar nicht unkritisch, aber in diplomatischer Tonart – über Deutschland und seine Außenpolitik befunden wird. Die aktuelle Situation wird zumeist im Lichte eines knappen historischen Überblicks über die Geschichte der Beziehungen des jeweiligen Landes zu Deutschland beurteilt. So sei die anhaltende Popularität der Deutschen in Afghanistan mit dem dort verbreiteten Arier-Mythos zu erklären, demzufolge die Afghanen die „eigentlichen Arier der Gegenwart“ seien und die Deutschen „als die direktesten arischen Brüder angesehen [werden]“ (127), schreibt Conrad Schetter. Die Beziehungen zu den USA werden gleich dreifach in den Blick genommen: Neben einem Rückblick auf die amerikanische Präsenz in Westberlin nach 1945 (David E. Barclay) geht es um die Erwartungen der USA an Deutschlands Außenpolitik (Jackson Janes/Ann-Kristin Otto). Und Gerald R. Kleinfeld analysiert die transatlantischen Beziehungen im Vorwege der amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Er weist auf die Verschiedenheiten zwischen der amerikanischen und der deutschen Gesellschaft hin und plädiert für deren Anerkennung. Diese „führt vielleicht einfacher zu besseren Beziehungen als überzogene Erwartungen und zu viele irreale Gleichheiten“ (57).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.24.214.222.612.622.632.642.682.22 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Tilman Mayer (Hrsg.): Deutschland aus internationaler Sicht Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31936-deutschland-aus-internationaler-sicht_38086, veröffentlicht am 23.03.2010. Buch-Nr.: 38086 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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