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/ 20.06.2013
Michael Salewski

Deutschland und der Zweite Weltkrieg

Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2005; 442 S.; Ln., 39,90 €; ISBN 3-506-71390-6
Der Zweite Weltkrieg sei ein uns fremdartiges Stück Geschichte, das aber unsere Gegenwart so präge wie kein anderes, schreibt der Historiker Salewski. Der Krieg liege gleichzeitig wie ein Riegel vor der Geschichte, die ihm voranging – und diese Funktion müsse er verlieren. Die durch ihn den Deutschen angelegten moralischen Fesseln seien zwar bindend, hätten aber nicht für den Historiker zu gelten. Auf die Erläuterung dieser Ausgangsposition folgt ein eher konventionelles Geschichtsbuch, in dem die Vorgeschichte und der Kriegsverlauf dargestellt werden, wobei der Schwerpunkt auf dem Militärischen liegt. Dies bringt – zusammen mit der Konzentration Salewskis auf Hitler als zentrale Person – eine analytische Engführung mit sich. Die Verantwortung der deutschen Gesellschaft gerät dabei aus dem Blick. Salewskis Erklärung dafür, warum die Deutschen Hitler bis zum Kriegsende die Treue hielten, fällt deshalb unzureichend aus. Er argumentiert u. a. damit, dass die alliierten Bombenangriffe die Bevölkerung radikalisiert und damit an Hitlers Seite gebunden hätten. Außer Acht gelassen wird dabei der Holocaust (der in einem eigenen Kapitel abgehandelt wird) – die Frage, ob sich die Deutschen nicht so sehr in die NS-Barbarei verstrickt hatten, dass sie die Rache der Sieger fürchten mussten, wird nicht gestellt. Überhaupt arbeitet der Autor die Verzahnung von Krieg und Holocaust nicht heraus und erfasst damit nicht den besonderen Charakter des Krieges. Außerdem stören saloppe Formulierungen (der Luftkrieg als „hässliche Tupfer“ [316]) oder Vergleiche (wie zwischen Hitler und Nero oder den Sturzkampfflugzeugen und Hannibals Kriegselefanten), ferner das wiederholte Rätselraten, warum es so und nicht anders war. Ein Historiker sollte nicht besserwisserisch „fassungslos vor der Inkompetenz“ (118) der NS-Führung stehen – Salewski unterlaufen diese Formulierungen, obwohl er eine zu naive Herangehensweise Seiten vorher überzeugend problematisiert hat.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3124.1 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Michael Salewski: Deutschland und der Zweite Weltkrieg Paderborn u. a.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23744-deutschland-und-der-zweite-weltkrieg_27290, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 27290 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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