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/ 06.06.2013
Ulrich Sieg

Deutschlands Prophet. Paul de Lagarde und die Ursprünge des modernen Antisemitismus

München/Wien: Carl Hanser Verlag 2007; 415 S.; geb., 25,90 €; ISBN 978-3-446-20842-1
„Gegen Ende seines Lebens galt Lagarde einer wachsenden Zahl von Menschen als 'Prophet einer neuen Religion'. Der Göttinger Professor schätzte das pathetische Bild durchaus und förderte seine Verbreitung nach Kräften. Aus heutiger Perspektive wirkt es befremdlich, daß ein renommierter Wissenschaftler zum Verkünder seiner eigenen, sich zunehmend radikalisierenden Weltanschauung wird“. (292) Nicht nur in dieser Hinsicht stellt sich beim Lesen von Lagardes Biographie häufiger ein befremdliches Gefühl ein. Wissenschaftler, Eigenbrötler, Antisemit, Prophet – Sieg möchte diese schillernde Figur in all ihrer Widersprüchlichkeit darstellen, um die Entstehungsbedingungen und Wirkungsmechanismen von Lagardes politischem Denken aus der Zeit heraus verstehen zu können. Dabei sucht und findet der Autor die Wurzeln von Lagardes Weltbild in der Zeit der Romantik und des Biedermeier, zeigt aber gleich mit auf, wie der Intellektuelle im Kaiserreich seine Ideen, seine Ansichten und sein Image geschickt zu vermarkten wusste. Daher war der Kulturpessimist nicht nur eine aus ihrer Zeit entstandene Figur, sondern ein Protagonist einer antisemitischen Ideenpolitik, der auf einer Welle zu reiten wusste – und ihr dabei zusätzliche Energie mitgab, die schließlich die Nationalsozialisten an die Macht spülen sollte. Die Biographie ist nicht nur hervorragend recherchiert, sondern auch packend geschrieben.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.312.3 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Ulrich Sieg: Deutschlands Prophet. München/Wien: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9023-deutschlands-prophet_32176, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32176 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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