/ 19.06.2013
Christian Saehrendt
"Die Brücke" zwischen Staatskunst und Verfemung. Expressionistische Kunst als Politikum in der Weimarer Republik, im "Dritten Reich" und im Kalten Krieg
Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2005 (Pallas Athene 13); 124 S.; geb., 28,- €; ISBN 3-515-08614-5Im Mittelpunkt steht die Frage nach der politischen Vereinnahmung der „Brücke“-Gruppe, womit bereits Saehrendts These vorweggenommen ist, dass die Künstler selbst weitgehend unpolitisch blieben. Der Autor schildert, wie Galeristen, Künstler, Kunstkritiker und -historiker zunächst den Kampf für eine moderne Kunst mit der Bewahrung deutscher Nationalkultur zu verknüpfen versuchten, in der Weimarer Republik zwar als politisches Aushängeschild deutscher Kunst galten, jedoch von Kritik und Publikum – aus unterschiedlichen Gründen – nur unzureichend aufgenommen wurden und schließlich im Nationalsozialismus aus der Öffentlichkeit verschwanden. Das Kapitel über die Möglichkeit eines „Nordischen Expressionismus“ im Dritten Reich ist das Beste des Buches und bietet einen interessanten Blick auf die NS-Kulturpolitik. Leider wird die aus politologischer Sicht interessante Frage, „ob die Aufnahme nationaler Phrasen zur Verteidigung der modernen Kunst taktischen, defensiven Charakter hatte, oder ob sich in ihr nicht [...] ein sich verfestigender extremistischer Konsens im Bildungsbürgertum manifestierte“ (40) aufgrund der nur skizzenhaft dargestellten Künstlerbiografien lediglich teilweise beantwortet.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.35 | 2.311 | 2.312 | 2.313
Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Christian Saehrendt: "Die Brücke" zwischen Staatskunst und Verfemung. Stuttgart: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21474-die-bruecke-zwischen-staatskunst-und-verfemung_27514, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 27514
Rezension drucken
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
CC-BY-NC-SA