/ 21.06.2013
Jens Hacke
Die Bundesrepublik als Idee. Zur Legitimationsbedürftigkeit politischer Ordnung
Hamburg: Hamburger Edition 2009; 129 S.; 12,- €; ISBN 978-3-86854-214-1Anders als die französische oder US-amerikanische Geschichte kann sich die deutsche nicht auf einen revolutionären Gründungsakt berufen, in dem nationale Einigung und politische Befreiung zusammenfielen. Dieser oft beschriebene deutsche Sonderweg – kurz gefasst: die Diskrepanz zwischen Nation und Demokratie als Bezugspunkten politischer Einheit – wurde von etlichen zeitgenössischen Kommentatoren als Belastung gesehen, die auch die Gründung der Bundesrepublik begleitete. Ihre Entstehung war gekoppelt an die Niederlage des Nationalsozialismus und in den Anfangsjahren der Bundesrepublik erschien es durchaus fraglich, ob diese Gesellschaft eine tragfähige demokratische Identität würde ausbilden können. Tatsächlich ist der Bundesrepublik immer wieder ein pragmatisches, die Funktionsfähigkeit der Institutionen betonendes Selbstverständnis attestiert worden, das sich kaum zu einer eigenständigen Legitimationsidee zu eignen scheint. Hacke greift mit seinen flüssig geschriebenen Essays politische Debatten aus der Geschichte der Bundesrepublik auf, die sich mit der Verpflichtungsfähigkeit dieser politischen Ordnung befassen. Dabei legt er die politiktheoretisch plausible Annahme zugrunde, dass das „Nachdenken über ein Gemeinwesen schwerlich auf die Fiktion einer 'Wir-Gemeinschaft' verzichten [kann], solange sie Wert auf Solidarbeziehungen und soziale Gerechtigkeit legt“ (11). An drei Leit/index.php?option=com_content&view=article&id=41317 – der nachträglichen Gründung der Republik, dem Verhältnis von Staat und Gesellschaft, der Rolle von Zivilgesellschaft – zeichnet er Kontroversen nach, die für die hiesigen Selbstverständigungsprozesse wichtig waren. Der schmale Band bietet eine spannende Lektüre über die „Bundesrepublik als Idee“ – auch wenn sich der Autor überwiegend auf einen Ausschnitt des akademischen Elitendiskurses beschränkt, zu dessen wichtigen Stimmen Dolf Sternberger, Ralf Dahrendorf und Jürgen Habermas zählen.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 | 2.331 | 2.35 | 5.43 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Jens Hacke: Die Bundesrepublik als Idee. Hamburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31436-die-bundesrepublik-als-idee_37420, veröffentlicht am 28.01.2010.
Buch-Nr.: 37420
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA