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/ 06.06.2013
Bernd Rüthers

Die einsamen Außenseiter. Deutscher Widerstand im Lichte des wechselnden Zeitgeistes

Konstanz: UVK Universitätsverlag 2011; 39 S.; brosch., 9,90 €; ISBN 978-3-87940-828-3
Der Rechtswissenschaftler Rüthers beschäftigt sich mit der seiner Meinung nach verzerrten Rezeptionsgeschichte des deutschen Widerstandes nach 1945, wobei er sich vor allem auf elementare Versäumnisse der deutschen Rechtswissenschaft konzentriert. Rüthers formuliert dazu zwölf Hypothesen, die erste lautet: „Antisemitismus in vielen Schattierungen war im deutschen wie im europäischen Denken nichts Neues und prinzipiell Anstößiges, sondern entsprach einer internationalen, nicht allein christlich begründeten Tradition.“ (8) Als Beleg nennt er das im April 1933 erlassene sogenannte Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, mit dem die Juden aus dem Justiz-, Anwalts- und Wissenschaftsbereich vertrieben wurden. Damit sei das Beamtentum aber keinesfalls wiederhergestellt, sondern unter dem Beifall der herrschenden Lehre beseitigt worden. Rüthers kritisiert die bislang ungenügende Aufarbeitung dieses Schandflecks der deutschen Rechtsgeschichte. So sei von Juristen mit Blick auf die jüdischen Kollegen, die ihre Stellung verloren, lediglich von einem „geringen Aderlaß“ (9) gesprochen worden. Zudem sei ein juristischer Widerstand gegen diese „gründliche Säuberung“ (12) der Juristenberufe nicht erkennbar gewesen. Eine von Rüthers weiteren Hypothesen lautet: „1. Es gibt einen engen Sachzusammenhang und fließende Grenzen zwischen Anpassung, Mitläufern und Widerstand. 2. Die jeweilige Generation von Intellektuellen ist in Umbruchszeiten besonderen Versuchungen und Gefahren ausgesetzt.“ (15) Der Autor verweist zur Begründung darauf, dass Widerstand in den beiden deutschen Diktaturen nur von einer Minderheit geleistet wurde. Er geht davon aus, dass sowohl während der NS-Diktatur als auch während des SED-Regimes fast jeder Bürger, insbesondere aber jeder Jurist aus Karrieregründen zu staatlichen Unrechtstaten geschwiegen habe. Zudem seien die wenigen Widerstandshandlungen von den Medien bis heute nur unzureichend gewürdigt worden.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.3122.352.314 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Bernd Rüthers: Die einsamen Außenseiter. Konstanz: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9151-die-einsamen-aussenseiter_40270, veröffentlicht am 10.05.2011. Buch-Nr.: 40270 Rezension drucken
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