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/ 21.06.2013
Monika Boll / Raphael Gross (Hrsg.)

Die Frankfurter Schule und Frankfurt. Eine Rückkehr nach Deutschland

Göttingen: Wallstein Verlag 2009; 304 S.; geb., 24,90 €; ISBN 978-3-8353-0566-3
Im Mai 1948 schrieb Max Horkheimer an Theodor W. Adorno über seine erste Deutschland-Reise nach der Emigration: „[…] ich fühle, dass sie den zukünftigen Boden bereiten wird“ (30). Siebzehn Jahre nach seiner Vertreibung durch die Nationalsozialisten wurde 1950/51 das Institut für Sozialforschung in Frankfurt wieder eingerichtet. Im Sinne einer Nachzeichnung des transnationalen Netzwerkes, welches die Zurückgekehrten mit dem Institut installierten, reflektieren die Autoren des Bandes über die Jahre der Emigration und Rückkehr der Frankfurter Schule sowie ihre Verankerung in der jungen Bundesrepublik. Dabei lösen die Verfasser den Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung von seiner dokumentarischen Aufgabe. Vielmehr zeichnen sie das Wirken des Instituts in einer philosophischen Perspektive auf Vergangenheit und Zukunft nach. Der Blick auf die heutigen Aufgaben der Kritischen Theorie wird zudem ergänzt durch die Erinnerungen von Zeitzeugen, was dem Band eine persönliche Note verleiht. Die Sammlung gewinnt auch durch den Anspruch, Facetten der Institutsarbeit und ihrer Träger zu offenbaren, welche bisher im Hintergrund standen. So fragt Barboza nach der jüdischen Identität der Frankfurter Schule, die sie mit Horkheimer nicht nur in dem Gefühl der Zusammengehörigkeit von Kritischer Theorie und jüdischen Leben verortet, sondern auch in der Antisemitismusforschung als Abwehr von Ungerechtigkeiten und Scheinrealitäten erkennt. Die Dimension des transnationalen Netzwerkes von Remigranten und Nichtremigranten wird ausgeformt durch Studien zu weiteren Mitgliedern des Instituts, aber auch anderen Intellektuellen, welche u. a. Claussen, Brumlik, Söllner und Benhabib unternehmen. Die Konzentration auf die frühen 40er- bis 60er-Jahre ermöglicht einen breiten Blick der Autoren, die neben der Dokumentation des Neubeginns in Frankfurt einen Beitrag zur Geschichte der Philosophie und Soziologie in Deutschland leisten.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.3132.3435.2 Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Monika Boll / Raphael Gross (Hrsg.): Die Frankfurter Schule und Frankfurt. Göttingen: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31420-die-frankfurter-schule-und-frankfurt_37403, veröffentlicht am 18.11.2009. Buch-Nr.: 37403 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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