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/ 11.06.2013
Jürgen Elsässer / Andrei S. Markovits (Hrsg.)

"Die Fratze der eigenen Geschichte" Von der Goldhagen-Debatte zum Jugoslawien-Krieg

Berlin: Elefanten Press 1999 (Antifa Edition); 206 S.; pb., 29,90 DM; ISBN 3-88520-756-7
Drei Jahre nach Erscheinen der Studie "Hitlers willige Vollstrecker" von Daniel Jonah Goldhagen veranstaltete die Heinrich-Böll-Stiftung im Mai 1999 eine internationale Tagung zur kontroversen Rezeption der Thesen Goldhagens. Der Band dokumentiert und ergänzt die Vorträge und Auszüge aus Diskussionsbeiträgen dieser Tagung. Zwei Aspekte stehen dabei im Mittelpunkt. Zum einen wird die Rezeption der Studie Goldhagens in der deutschen sowie der internationalen Wissenschaftsöffentlichkeit reflektiert. Über die kritische Kommentierung der hauptsächlichen Tendenzen in der "Goldhagen-Kontroverse" hinaus werden hier auch Impulse dieser Debatte für die neuere Forschung zum Holocaust und zum NS-Vernichtungsprogramm erörtert. Zum anderen werden, vor dem Hintergrund des Krieges im Kosovo und des Eingreifens der NATO-Streitkräfte, mögliche Schlußfolgerungen aus der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem NS-Völkermord im Hinblick auf aktuelle politische Probleme (insbesondere das Geschichtsverständnis der politischen Eliten in der "Berliner Republik" und der Völkermord-Vorwurf an die Adresse der "serbischen" Regierung der Bundesrepublik Jugoslawien) debattiert. Inhalt: I. Von der Goldhagen-Kontroverse zum Walser-Streit: Wolfgang Wippermann: Goldhagen und die deutschen Historiker. Strukturalistische Verkürzungen, böswillige Verdrehungen und antisemitische Untertöne (14-28); Birgit Rommelspacher: Anklage und Entlastung. Sozialpsychologische Aspekte der Goldhagen-Debatte (29-44); Lars Rensmann: Die Walserisierung der Berliner Republik. Geschichtsrevisionismus und antisemitische Projektion: Einwände gegen die These vom geläuterten Deutschland. (44-63); Daniel Jonah Goldhagen: Diskussionsbeitrag: Bemerkungen zur internationalen Rezeption von Hitler's Willing Executioners. Ordinary Germans and the Holocaust (64-71); Jürgen Elsässer / Andrei S. Markovits: Whistling in the Dark. Streitgespräch über das Versagen von Rot-Grün in der Walser-Debatte und die Bedeutung von historischen Diskursen für die Realpolitik (72-78). II. "Hitlers willige Vollstrecker" und die weitere Forschung: Daniel Jonah Goldhagen: Die Notwendigkeit eines neuen Paradigmas. Die Zeugnisse der Opfer, wichtige Beweise und neue Perspektiven in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Holocaust (80-102); Holger Schatz / Andrea Woeldike: "Deutsche Arbeit" und eliminatorischer Antisemitismus. Über die sozioökonomische Bedingtheit einer kulturellen Tradition (103-123); Werner Brill: Deutsche Hysterie und Vernichtungswunsch. Zu den Schnittstellen von Eugenik und Antisemitismus (124-134); Matthias Küntzel: "Keineswegs ein spezifisch deutsches Problem"? Goldhagen und das Defizit der Kritischen Theorie (135-160). III. Das Kosovo und die "Fratze der eigenen Geschichte": Daniel Jonah Goldhagen: Eine "deutsche Lösung" für den Balkan. Um das Völkermorden zu beenden, muß die Nato Serbien besiegen, besetzen und umerziehen (162-170); Matthias Küntzel: Milosevics willige Vollstrecker? Goldhagen, Deutschland und der Kosovo-Krieg (171-181); Daniel Jonah Goldhagen / Matthias Küntzel: Diskussionsbeiträge: Aufgaben und Grenzen geschichtlicher Vergleiche im Kosovo-Konflikt (182-185); Jürgen Elsässer / Andrei S. Markovits: Ein deutsches Coming-out? Streitgespräch: Die Linke, der Krieg und mögliche Verkürzungen in Goldhagens Holocaust-Analyse (186-202).
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.352.3124.412.62 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Jürgen Elsässer / Andrei S. Markovits (Hrsg.): "Die Fratze der eigenen Geschichte" Berlin: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10040-die-fratze-der-eigenen-geschichte_11875, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 11875 Rezension drucken
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