/ 20.06.2013
Ljiljana Radonic
Die friedfertige Antisemitin? Kritische Theorie über Geschlechterverhältnis und Antisemitismus
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2004 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 508); 178 S.; brosch., 39,- €; ISBN 3-631-53306-3Im ersten Teil stellt die Autorin sehr ausführlich die sozialisationstheoretischen Vorstellungen Sigmund Freuds dar, wobei sie in erster Linie die geschlechtsspezifischen Unterschiede herausarbeitet. Anschließend erläutert sie die psychischen Mechanismen, die bei der Herausbildung antisemitischer Haltungen eine Rolle spielen, wobei sie sich vor allem auf die Konzepte der Kritischen Theorie beruft, die wiederum auf Freud’schen Modellen aufbauen. Im eigentlichen Hauptteil erörtert die Verfasserin in vornehmlich deskriptiver Form anhand ausgewählter Beispiele, dass auch Frauen aktiv an den NS-Verbrechen beteiligt waren. Die weibliche psychische Struktur funktioniere bezüglich der Ausbildung antisemitischer Haltungen grundsätzlich genau wie die des Mannes; folglich seien theoretische Konzepte der so genannten friedfertigen Frau unzutreffend. Sowohl die Fragestellung und die verwendeten theoretischen Konzepte als auch die Ergebnisse der Arbeit spiegeln nicht mehr den aktuellen Forschungsstand wider, Aussagen wie „„Auch heute noch konnte ich auf keine Studie zum Antisemitismus von Frauen stoßen.“„ (162) sind schon lange nicht mehr zutreffend. Auch die nachgewiesene Literatur ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, mindestens 10 Jahre alt.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.27 | 2.23 | 2.312 | 2.36
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Ljiljana Radonic: Die friedfertige Antisemitin? Frankfurt a. M. u. a.: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23773-die-friedfertige-antisemitin_27327, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 27327
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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