/ 22.06.2013
Michaela Karl
Die Geschichte der Frauenbewegung
Stuttgart: Philipp Reclam jun. 2011 (Reclam Sachbuch); 264 S.; 6,- €; ISBN 978-3-15-018788-3„Der Kampf um Brot und Rosen ist noch lange nicht vorbei.“ (253) Dieser Satz steht am Ende dieser Geschichtsdarstellung, die pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum des Internationalen Frauentags erschienen ist. Karl beschreibt die Tradition, die Entwicklung und die Errungenschaften einer der wichtigsten und erfolgreichsten sozialpolitischen Bewegungen der Moderne, aber auch die Hindernisse, denen sie sich gegenüber sah und sieht. Die Autorin folgt in ihrer Darstellung einem vergleichenden Ansatz und stellt die Geschichte der westlichen Frauenbewegung in Deutschland, den USA, Großbritannien und Frankreich in ihren unterschiedlichen Ausprägungen parallel dar. Ihr Anliegen dabei ist, zu zeigen, dass „die Frauenbewegung […] so vielfältig [ist] wie die Widerstände, auf die sie trifft, und so bunt wie die Akteurinnen, die sie prägen (10)“. Karl unterteilt die Historie der Frauenbewegung in drei Phasen: Am Anfang steht der im Umfeld der Französischen Revolution beginnende Kampf für politische und rechtliche Gleichstellung, der sich vor allem an den Themen Wahlrecht, Recht auf Bildung und freie Berufswahl für Frauen entzündete. Ab den 60er-Jahren fand die Neue Frauenbewegung zusammen, deren Forderungen sich auf umfassende weibliche Selbstbestimmung richtete, die aber auch eine autonome weibliche Gegenkultur beförderte. Drittens wird schließlich die Frauenbewegung seit den 90er-Jahren genannt, die geprägt ist durch eine fortschreitende Institutionalisierung von Frauenpolitik bei einer gleichzeitig großen Heterogenität der Standpunkte, Ausprägungen und Organisationen. Auch wenn es – insbesondere für die aktuelle Frauenbewegung und den sie begleitenden wissenschaftlichen Diskurs – unerlässlich ist, auch die Theorien der Frauenbewegung in die Darstellung mit einzubeziehen, verzichtet Karl weitgehend auf deren ausführliche Diskussion. Stattdessen räumt sie den oft innovativen historischen und gegenwärtigen Aktionsformen der Frauenbewegung und den Kämpfen und Lebenswegen der Vormütter breiten Raum ein. Gerade diese Passagen sind – in diesem ohnehin kenntnisreich und gut geschriebenen Buch – besonders vergnüglich zu lesen. Das Ende zeigt aber auch an: Es gibt noch viel zu tun.
Anne Junger (AJ)
Politikwissenschaftlerin, Doktorandin, Universität Freiburg.
Rubrizierung: 2.27 | 2.36 | 2.61 | 2.64 | 2.313 | 2.314 | 5.42 | 5.46
Empfohlene Zitierweise: Anne Junger, Rezension zu: Michaela Karl: Die Geschichte der Frauenbewegung Stuttgart: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33357-die-geschichte-der-frauenbewegung_39901, veröffentlicht am 22.09.2011.
Buch-Nr.: 39901
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Politikwissenschaftlerin, Doktorandin, Universität Freiburg.
CC-BY-NC-SA