/ 21.06.2013
Susan Rößner (Hrsg.)
Die Geschichte Europas schreiben. Europäische Historiker und ihr Europabild im 20. Jahrhundert
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2009 (Eigene und fremde Welten 16); 386 S.; 43,- €; ISBN 978-3-593-38935-6Im Rahmen des SFB 640 „Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel“ an der Humboldt Universität Berlin erstellte Rößner im Teilprojekt „A5: Europa-Repräsentationen“ ihre Studie, in der sie in einem Dreiländervergleich (Deutschland, Großbritannien, Niederlande) nach dem Europabewusstsein und den europäischen Selbstverständnissen von Historikern fragt. Anhand von rund 50 ausgewählten Geschichtswissenschaftlern jener drei Länder unternimmt die Autorin eine Tour de Force durch das 20. Jahrhundert (insbesondere der Jahre 1918-1930, 1945-1960 und 1989-2000) und analysiert, wer wann wie und warum über welches Europa schrieb. Drei Leitfragen durchziehen die Vergleichsstudie: Erstens: Worin sahen die jeweiligen Historiker die Wurzeln Europas? Wo und wie verorteten sie in ihren Europadarstellungen die eigene Nation? Welche konkreten Utopien entwarfen sie für Europas Zukunft? Die Autorin bezieht sich auf Historiker, weil diese „eine Deutungshoheit über die Geschichte“ besäßen und „damit Zugang zu einem wichtigen Aspekt der Identitätsbildung“ hätten (15). Tatsächlich waren und sind Geschichtsschreiber oft Konstrukteure von Nationalstaaten im Sinne einer sogenannten „imagined community“, weswegen auch und gerade angesichts der wachsenden rechtlichen und politischen Bedeutung der Europäischen Union die Untersuchung ihrer Europaverständnisse lohnt. Rößner arbeitet heraus, dass das Europabewusstsein der Historiker hauptsächlich ein kulturelles war. Sie verdeutlicht vor allem, dass sich deren Aussagen zwar über die Grenzen hinweg im Laufe der Zeit immer mehr anglichen, dennoch vom nationalen Blickwinkel bestimmt blieben. Wie die Autorin selbst anmerkt (339), wäre nicht nur ein Vergleich innerhalb westeuropäischer Länder, sondern insbesondere einer zwischen west- und osteuropäischen, zwischen älteren und jüngeren EU-Mitgliedstaaten wünschenswert gewesen. Hierfür verweist sie jedoch auf die weiteren Forschungen des SFB 640.
Tamara Ehs (TE)
Dr. phil., Politikwissenschaftlerin am IWK Wien und Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg (http://homepage.univie.ac.at/tamara.ehs/)
Rubrizierung: 5.2 | 3.1 | 2.3 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Tamara Ehs, Rezension zu: Susan Rößner (Hrsg.): Die Geschichte Europas schreiben. Frankfurt a. M./New York: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31745-die-geschichte-europas-schreiben_37830, veröffentlicht am 16.03.2010.
Buch-Nr.: 37830
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Dr. phil., Politikwissenschaftlerin am IWK Wien und Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg (http://homepage.univie.ac.at/tamara.ehs/)
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