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/ 20.06.2013
Klaus-Michael Mallmann / Andrej Angrick

Die Gestapo nach 1945. Konflikte, Karrieren, Konstruktionen. Wolfgang Scheffler zum Gedenken

Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2009 (Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart 14); 368 S.; 49,90 €; ISBN 978-3-534-20673-5
Der überaus facettenreichen Sammelband enthält zahlreiche Aspekte des Themas und vor allem zahlreiche biografische und gruppenbiografische Studien. Mallmann und Angrick führen kenntnisreich in die Gesamtthematik ein: Es geht zentral um die Lebenswege der Gestapo-Bediensteten, „ihre Einpassung in die gewandelten Verhältnisse, ihre Legitimationsstrategien und Optionen“ (7). Die folgenden siebzehn Beiträge sind in den drei Themenblöcken „Karrieren“, „Konflikte“ und „Konstruktionen“ zusammengefasst. In den sieben Beiträgen im ersten Block werden unterschiedlichste Lebenswege präsentiert. Die beiden Autoren zeigen erfolgreiche Fluchten ins Ausland, glänzende Nachkriegskarrieren in Polizei und Geheimdiensten – und in einem Fall auch einen Täter mit Schuldeingeständnis und Schuldgefühlen. Im zweiten Block thematisieren sie wiederum in sieben Beiträgen, wie die gesellschaftliche Beschäftigung mit den und die strafrechtliche Ahndung der Gestapo-Verbrechen stattfand und welche Begrenzungen es gab: Letztlich erschütternd bleibt die Tatsache, dass nur wenige der Taten jemals gesühnt wurden, sei es wegen systematischer Verfahrensverschleppung und Ermittlungsbehinderungen, sei es aus einem geheimdienstlichem Kalkül heraus, wie am Beispiel des instrumentellen Umgangs der DDR-Staatssicherheit mit einstigen Gestapo-Angehörigen gezeigt werden kann. Im dritten Block geht es um Täterdiskurse, Deutungsmuster und mediale Bilder über die Rolle der Gestapo. Mit dem Band liegt zugleich der Abschluss der Trilogie vor, die Mallmann gemeinsam mit Gerhard Paul mit zwei Sammelbänden in den 90er-Jahren begonnen hat („Die Gestapo – Mythos und Realität“, siehe ZPol-Nr. 669; „Die Gestapo im Zweiten Weltkrieg. ‚Heimatfront’ und besetztes Europa“, siehe ZPol-Nr 15290.). Die Beiträge dieses Bandes zeigen den Gehalt und die Stärken der neueren biografisch und gruppenbiografisch orientierten Täterforschung. Das differenzierte Bild vom NS-Täter, zu dem dieser verdienstvolle Band beiträgt, lässt freilich die Frage offen „wie die Gesellschaft künftig mit diesen Erkenntnissen umgeht“ (308).
Christoph Kopke (CKO)
Dr. phil., Dipl.-Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.352.312 Empfohlene Zitierweise: Christoph Kopke, Rezension zu: Klaus-Michael Mallmann / Andrej Angrick: Die Gestapo nach 1945. Darmstadt: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21895-die-gestapo-nach-1945_36445, veröffentlicht am 28.05.2009. Buch-Nr.: 36445 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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