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/ 21.06.2013
Shmuel N. Eisenstadt

Die großen Revolutionen und die Kulturen der Moderne. Übersetzt von Ulrike Brandhorst

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006; 250 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-14993-6
Während die 60er- und 70er-Jahre eine ungemein produktive Phase allgemeiner revolutionsanalysierender Literatur waren – erinnert sei beispielsweise an Hannah Arendt, Chalmers Johnson oder Barrington Moore – so sind seither keine überragenden Publikationen mehr zu verzeichnen. Nun hat der emeritierte Soziologe der Hebräischen Universität Jerusalem Eisenstadt, der bereits 1978 mit einer Untersuchung über „Revolutions and the Transformation of Societies“ hervortrat, den Faden jedoch erneut aufgegriffen, indem er die „großen Revolutionen“ (Titel) in den Blick nimmt. Hierzu zählt er die Revolutionen in England, Amerika, Frankreich, Russland und China. Indem er diesen im Sinne des Wortes „auf den Grund geht“, gelangt er über strukturelle und gesellschaftspsychologische Revolutionsursachen und die revolutionsfördernden „Widersprüche der Frühen Moderne“ hinaus zu den kulturellen Grundlagen der „großen Revolutionen“. Deren gemeinsame Wurzeln subsumiert er als „Achsenzeit-Kulturen“, die „sich in den 1.000 Jahren von 500 v. Chr. bis in die Entstehungszeit des Islam kristallisiert haben“ (54). Verfügen diese Kulturen bereits per se über eine potenzielle revolutionäre Energie, so erweisen sich die Regulierungsformen und politischen Dynamiken imperialer beziehungsweise imperial-feudaler Gesellschaften sowie patrimonialer Herrschaften als Verstärkungsfaktoren dieses Potenzials. Die daraus entstandenen Revolutionen trugen dann entscheidend zur Formierung des politischen und kulturellen Programms der Moderne bei. Der Autor bezieht in seine Betrachtungen die „Transformation der kommunistischen Regime“ (225 ff.) und die gegenwärtigen „fundamentalistischen und regionalen religiösen Bewegungen“ (231 ff.) ein. Insgesamt stellt Eisenstadts Revolutionsanalyse einen großen Lesegewinn dar, er setzt damit die Tradition revolutionsanalysierender Literatur eindrucksvoll fort.
Klaus Kremb (KK)
Dr., Oberstudiendirektor, Wilhelm-Erb-Gymnasium Winnweiler, Lehrbeauftragter, Fachgebiet Politikwissenschaft, TU Kaiserslautern.
Rubrizierung: 2.252.25.42 Empfohlene Zitierweise: Klaus Kremb, Rezension zu: Shmuel N. Eisenstadt: Die großen Revolutionen und die Kulturen der Moderne. Wiesbaden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26560-die-grossen-revolutionen-und-die-kulturen-der-moderne_30960, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30960 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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