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/ 11.06.2013
Dick Howard

Die Grundlegung der amerikanischen Demokratie. Aus dem Amerikanischen von Ulrich Rödel

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2001 (edition suhrkamp 2148); 388 S.; kart., 15,- €; ISBN 3-518-12148-0
Der Band von Howard, der an der New York State University in Stony Brook politische Philosophie lehrt, ist nach einem strengen Schema gegliedert. In allen drei Teilen des Buches, das erstmals 1986 unter dem Titel "The Birth of American Political Thought, 1963-1987" erschien, werden zunächst die historischen Ereignisse ("Gelebte Geschichte") geschildert. Diese werden dann von den Zeitgenossen begrifflich gefasst ("Begriffene Geschichte") und zum Gegenstand theoretischer Überlegungen gemacht ("Reflektierte Geschichte"), die in eine neue Situation münden. Die Darstellung der wechselnden geschichtswissenschaftlichen, aber auch politikwissenschaftlichen Untersuchung dieser Zeiträume ("Die Geschichte neu durchdacht") beschließt jeden der drei Teile, die sich inhaltlich mit dem "Weg zur Unabhängigkeit: Souveränität und Menschenrechte" (57-132), den "Freie[n] Institutionen: Die Repräsentation des gemeinsamen Wohls und das Individuum" (135-217) und mit der Verfassungsgebung in "Von der republikanischen Politik zur liberalen Soziologie" (221-334) befassen. Howards Band ist von Anfang an auch für nicht-amerikanische Leser konzipiert gewesen, was sich darin niederschlägt, dass er vieles erläutert, was für Leser im eigenen Land wohl nicht erforderlich gewesen wäre. Der Band ist handlich strukturiert und wird sich neben den umfassenderen Werken von Heideking und Herz behaupten können. Ärgerlich ist lediglich, dass die durchweg substantiellen Anmerkungen vom Verlag an das Ende des Buches gesetzt wurden. Auch einige Fehler befremden, wobei man ohne Vergleich mit dem Original nicht weiß, wen man hier verantwortlich machen soll. Die "Era of Good Feelings" (hier etwas lahm als "Ära des guten Willens" übersetzt) begann nicht erst 1820 (20), und Dred Scott v. Sandorf (20) ist auch ein Druckfehler, den man vermeiden sollte. Trotzdem ist das Buch wegen seiner Zusammenfügung historischer Entwicklungslinien und ihrer ideengeschichtlichen Interpretation ein guter Beitrag zur Differenzierung einer in Deutschland nicht eben übermäßig untersuchten Epoche politischen Denkens.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.645.33 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Dick Howard: Die Grundlegung der amerikanischen Demokratie. Frankfurt a. M.: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10935-die-grundlegung-der-amerikanischen-demokratie_12929, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12929 Rezension drucken
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