/ 06.06.2013
Jörn Tietgen
Die Idee des Ewigen Friedens in den politischen Utopien der Neuzeit. Analysen von Schrift und Film
Marburg: Tectum Verlag 2005; 360 S.; 29,90 €; ISBN 3-8288-8778-3Politikwiss. Diss. Halle. - Tietgen geht von den Parallelen zwischen Friedensdenken und utopischem Denken aus: „Beide Konzepte erheben globale Gültigkeitsansprüche, kritisieren die gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer jeweiligen Entstehungszeit und visieren die Realisierung eines Idealzustands in der Zukunft an.“ (303) Diese plausible Gemeinsamkeit hat jedoch nur selten dazu geführt, beide Denktraditionen systematisch zu vergleichen. Dies nimmt Tietgen anhand einer Auswertung von 33 schriftlichen Quellen von Thomas Morus’ „Utopia“ aus dem sechzehnten Jahrhundert über die Frühsozialisten bis ins 20. Jahrhundert mit H. G. Wells, Aldous Huxley oder Marge Piercy vor. Hinzu kommen jedoch noch zwölf filmische Quellen von Fritz Langs Metropolis aus dem Jahr 1927 über „Star Trek“, „Logan’s Run“ bis „Babylon 5“. So unterschiedlich das Material auch sein mag, gelingt es Tietgen doch mittels einer hilfreichen Operationalisierung der Begriffe „Utopie“ und „Ewiger Frieden“ Erkennungsmerkmale sowie Unterscheidungsmöglichkeiten aufzuweisen, die eine integrierte Analyse der beiden Quellenarten erlauben. Insbesondere die politische Utopie erklärt er dabei zum „transmedial nachweisbare[n] Phänomen“ (309). Seine Analyse deutet darauf, dass in unterschiedlichsten Formaten Frieden „föderativ und jenseits der bestehenden Nationalstaaten gedacht sowie ergänzt um beim Individuum ansetzende Methoden zur Erziehung zur Friedfertigkeit“ (304) dargestellt wird. Die verschiedenen Akzentuierungen von inner- und zwischengesellschaftlichem Frieden auf der einen Seite und „positivem“ bzw. „negativem“ Frieden auf der anderen Seite werden dabei aufschlussreich mit unterschiedlichen Raum- und Zeitutopien verbunden. Utopien haben in diesem Sinne auch zum Thema der Friedenssicherung mehr zu bieten als totalitäre Angstszenarien und eröffnen (im Fall des Films auch einem breiteren Publikum) gelegentlich nachdenkenswerte Perspektiven.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 5.44 | 5.32 | 5.33
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Jörn Tietgen: Die Idee des Ewigen Friedens in den politischen Utopien der Neuzeit. Marburg: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8948-die-idee-des-ewigen-friedens-in-den-politischen-utopien-der-neuzeit_27525, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 27525
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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