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/ 21.06.2013
Jürgen Kaube (Hrsg.)

Die Illusion der Exzellenz. Lebenslügen der Wissenschaftspolitik

Berlin: Verlag Klaus Wagenbach 2009; 95 S.; 9,90 €; ISBN 978-3-8031-2604-7
„Dieser Staat ruiniert seine Universitäten“, urteilt der Herausgeber einleitend und kritisiert die Hochschulpolitik der vergangenen zehn Jahre als von „Einfallslosigkeit“, „primitiven Vorstellungen“ über Lehre und Forschung, einer „abergläubischen Einstellung zu Kennziffern“ und einer „völligen Indifferenz gegenüber widersprüchlichen, weil undurchdachten Zielsetzungen“ (7) getriebene Dauerreform. Er hat Stimmen aus verschiedenen Universitäten und Fachrichtungen zusammengetragen, die in mal mehr, mal weniger drastischen Tönen Programme und Strategien wie den Bologna-Prozess und die Exzellenzinitiative kritisieren. Dass der deutsche Bachelor-Studiengang mit dem amerikanischen Vorbild nur wenig gemein hat, legt Wolfgang Eßbach dar. Er skizziert die Reaktionen der Hochschullehrer auf den Bologna-Prozess und erkennt Anzeichen für negative Folgen wie das „Schrumpfen disziplinärer Ansprüche, die Demoralisierung des Studierverhaltens und die Befestigung ungleicher Bildungschancen“ (16). Gemessen an den propagierten Zielen sei der Bologna-Prozesse gescheitert: Die Mobilität der Studierenden sinke, ein nur noch prüfungsorientiertes Lernen habe sich verstärkt, die Abbrecherquote sei höher als im alten System und von einem berufsbefähigenden Bachelor könne keine Rede sein. Das Belohnungs- und Anreizsystem (Peer Review) stellen Margit Osterloh und Bruno S. Frey auf den Prüfstand; sie offenbaren schwerwiegende Mängel und entwickeln einen Gegenvorschlag. Christoph Möllers setzt sich mit den rechtlichen Voraussetzungen der Hochschulreform auseinander und mahnt, die Wissenschaftsfreiheit „als das zu sehen, was Grundrechte eben sind, ein letztes Mittel, nicht aber ein Instrument zur Abwehr mittleren Ungemachs oder zur Vermeidung eigenen hochschulpolitischen Engagements“. Die sehr hohe Juristendichte unter den Professoren und „unsere etwas legalistische politische Kultur“ (64), bemerkt Möllers selbstkritisch, hätten die politische Verantwortlichkeit der Wissenschaftler in den Hintergrund treten lassen.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.343 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Jürgen Kaube (Hrsg.): Die Illusion der Exzellenz. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31455-die-illusion-der-exzellenz_37442, veröffentlicht am 15.12.2010. Buch-Nr.: 37442 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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