Skip to main content
/ 22.06.2013
Joachim Jens Hesse

Die Internationalisierung der Wissenschaftspolitik: Nationale Wissenschaftssysteme im Vergleich

Berlin: Duncker & Humblot 2011 (Abhandlungen zur Staats- und Europawissenschaft 3); 571 S.; 98,- €; ISBN 978-3-428-13672-8
In Durchführung einer Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung stellt der Autor zuerst die Wissenschaftssysteme der Länder Finnland, Großbritannien, USA, Japan, Singapur, China und Indien dar. Im Anschluss nutzt er die in diesen Berichten gesammelten Erkenntnisse zur Formulierung von Leitsätzen, die die Grundlage einer deutschen Internationalisierungsstrategie für Wissenschaft, Forschung und Administration darstellen sollen. Eine kritische Diskussion einzelner Wissenschaftssysteme, eine vergleichende Betrachtung zwischen den Länderberichten und eine erkennbar systematische Rückkopplung der Leitsätze an die Länderberichte erfolgen nicht. Zentraler Ausgangspunkt für eine erweiterte internationale Zusammenarbeit ist für Hesse der aktuelle Zustand des deutschen Wissenschaftssystems und dessen internationale Ausrichtung. Als wesentliche Schwächen erkennt er die Asymmetrie zwischen einzelnen Bundesländern und zwischen einzelnen Ressorts, die fehlende Abstimmung untereinander und eine kaum vorhandene Politikformulierung und Programmentwicklung. Letztere finde sich gleichermaßen auf politisch-administrativer wie auf hochschulischer Ebene. Hilfreich zur Beseitigung dieser Missstände könne ein fünfstufiges Verfahren zur Förderung einer erweiterten Internationalisierung sein. Letztlich handelt es sich bei dieser Roadmap um einen iterativen Prozess, in dem eine enge Verknüpfung von politischen Entscheidungsnotwendigkeiten, forschungsbasierten Aktivitäten und wissenschaftlicher Erkenntnis erfolgen soll. In Abgrenzung zu systemanalytischen Szenarien setzt er dabei auf eine enge Verknüpfung von Politikformulierung und Vollzug. „Im Vergleich der hier einbezogenen Staaten erweist sich die vertikale Koordination immer dann als defizitär, wenn die für WT-Politiken eingesetzten Entscheidungsgremien den Vollzug nicht explizit mitbedenken, also jenen ‚Freiraum nach unten’ belassen, der über die Verfolgung von Eigeninteressen, administrative Vorbehalte und instrumentelle Auffächerung nicht selten zu Umformungen des erhofften Politikergebnisses führt.“ (406 f.)
Thorsten Schumacher (THS)
M. A. (Politikwissenschaft, Philosophie, Öffentliches Recht), Referent im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.
Rubrizierung: 2.2632.612.642.68 Empfohlene Zitierweise: Thorsten Schumacher, Rezension zu: Joachim Jens Hesse: Die Internationalisierung der Wissenschaftspolitik: Nationale Wissenschaftssysteme im Vergleich Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34607-die-internationalisierung-der-wissenschaftspolitik-nationale-wissenschaftssysteme-im-vergleich_41578, veröffentlicht am 19.01.2012. Buch-Nr.: 41578 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA