/ 21.06.2013
Michael Portmann
Die kommunistische Revolution in der Vojvodina 1944-1952. Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur
Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2008 (Zentraleuropa-Studien 13); 554 S.; 35,20 €; ISBN 978-3-7001-6503-3Geschichtswiss. Diss. Wien; Gutachter: A. Suppan. – Der vielschichtige Prozess der kommunistischen Revolution in der heute zur Republik Serbien gehörenden Vojvodina steht im Mittelpunkt der Untersuchung. Das Betrachtungsgebiet umfasst die Regionen Syrmien, Bačka und Banat. Der Aufbau einer neuen Ordnung sei in Jugoslawien so eng wie in keinem anderen südosteuropäischen Land an den militärischen Erfolg der kommunistisch dominierten Volksbefreiungsarmee geknüpft gewesen, in diesem Kontext werde auch von der „‚Revolution aus dem Krieg’“ (18) gesprochen, schreibt Portmann. Dies habe zunächst jedoch nicht für die Vojvodina gegolten, die Armee sei hier auf „unterentwickeltes Territorium, auf den ‚Wilden Westen’“ (430) gestoßen, weshalb Tito sich 1944 entschlossen habe, dort eine Militärverwaltung zu etablieren. Ihr sei es innerhalb weniger Monate gelungen, die zivile Verwaltung zu rekonstruieren. Damit zähle die Vojvodina zu denjenigen Regionen in Mittel- und Südosteuropa, in der die Kommunisten am frühesten die Zügel der Macht fest in ihren Händen hielten. Die Implementierung des kommunistischen Systems sei mit zahlreichen Repressionen verbunden gewesen, die Protagonisten hätten eine „rücksichtslose Revolution von oben“ (432) vollzogen. Dies habe insbesondere für die donauschwäbische Minderheit gegolten, für die das internationalistische Nationalitätenkonzept der jugoslawischen Kommunisten keine Anwendung gefunden habe. Deren Flucht bzw. Internierung in Lagern habe die Voraussetzung für das Großprojekt „Bodenreform und Ansiedlung“ (434) gebildet, denn der von den Donauschwaben verlassene Besitz sei unrechtmäßig in Beschlag genommen worden. Doch der Autor bewertet die Ergebnisse der Bodenreform als negativ. Insgesamt habe die kommunistische Revolution bis zum heutigen Tage Spuren hinterlassen. Im Bereich der Wirtschaft und Landwirtschaft forderte die sozialistische Modernisierung einen „hohen Tribut“ (438). Unter dem Strich positiv habe sich hingegen die kommunistische Gesellschaftspolitik ausgewirkt. Das vojvodinische Bewusstsein sei gefestigt worden.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.61 | 4.1 | 2.25 | 2.262 | 2.263
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Michael Portmann: Die kommunistische Revolution in der Vojvodina 1944-1952. Wien: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30589-die-kommunistische-revolution-in-der-vojvodina-1944-1952_36327, veröffentlicht am 16.06.2009.
Buch-Nr.: 36327
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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