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/ 20.06.2013
Rupert Neudeck

Die Kraft Afrikas. Warum der Kontinent noch nicht verloren ist

München: C. H. Beck 2010; 255 S.; geb., 19,95 €; ISBN 978-3-406-59857-9
Vor genau 50 Jahren wurde ein Großteil der afrikanischen Staaten von den Kolonialmächten in die Unabhängigkeit entlassen. Dieses historische Datum nimmt Neudeck zum Anlass, ein Resümee zur bisherigen Entwicklung der afrikanischen Länder zu ziehen. Ins Zentrum seiner Analyse stellt er die Frage, warum es der Mehrzahl der afrikanischen Staaten seit 1960 nicht gelungen ist, den Wohlstand ihrer Bevölkerungen zu mehren, und warum sich in einigen Fällen die Armutsraten sogar vergrößert haben. Er beginnt seine Erläuterungen mit einem Blick in die Vergangenheit und identifiziert das Erbe des Kolonialismus und des transatlantischen Sklavenhandels als zwei Ursachen der heutigen Probleme. Auch die zwiespältige Rolle der Kirche unterzieht er einer genaueren Untersuchung. So prangert er offen an, dass die in Ruanda sehr einflussreiche katholische Kirche nichts unternommen habe, um 1994 den Völkermord an der Tutsi-Bevölkerung zu verhindern. Den Kern der Misere Afrikas erkennt er aber in der politischen Unfähigkeit der afrikanischen Eliten. Oftmals seien sie mehr an der eigenen Bereicherung interessiert als am Wohlergehen der Bürger. Es bestehe für sie meist kein Interesse und auch keine Notwendigkeit, die Infrastrukturen aufzubauen, in Bildung und Gesundheit zu investieren oder demokratische Strukturen zu etablieren. Als Konsequenz dieser Erkenntnis plädiert Neudeck für eine neu ausgerichtete deutsche Entwicklungspolitik. Diese sollte sich auf einige ausgewählte Länder mit verantwortlicher Regierungsführung konzentrieren und zukünftig nur in Form von Krediten bereitgestellt werden. Das Buch bietet einen interessanten Einstieg in verschiedene Diskussionen über Afrika, die insbesondere durch das Einfließen persönlicher Erfahrungen einen anregenden Lesestoff bieten. Aus der Sicht von Afrikaexperten bleiben die Analysen jedoch oft oberflächlich und obwohl der Titel des Buches etwas anderes vermuten lässt, liefert der Autor auch keine neuen Ideen darüber, wie der Kontinent aus der Krise finden könnte.
Sabine Schulze (SAB)
M. A., Afrikanistin und Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.672.222.232.254.444.222.311 Empfohlene Zitierweise: Sabine Schulze, Rezension zu: Rupert Neudeck: Die Kraft Afrikas. München: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21720-die-kraft-afrikas_38429, veröffentlicht am 20.05.2010. Buch-Nr.: 38429 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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