/ 21.06.2013
Judith Butler
Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen. Aus dem Amerikanischen von Karin Wördemann und Martin Stempfhuber
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2009; 414 S.; geb., 24,80 €; ISBN 978-3-518-58505-4Die in Berkeley an der University of California Rhetorik und Vergleichende Literaturwissenschaft lehrende Judith Butler ist seit ihrer Studie „Gender Trouble“ (dt. 1991 „Das Unbehagen der Geschlechter“) unstrittig eine der prominentesten Verfechterinnen einer konstruktivistisch zu nennenden Geschlechtertheorie. Auch in dieser Aufsatzsammlung – 2004 unter dem Titel „Undoing Gender“ im Original erschienen – schreibt sie ihr Plädoyer fort, endlich die binäre Vorstellung aufzugeben, die das Menschliche in „männlich“ und „weiblich“ separiert. Der Band enthält elf Abhandlungen, die zwischen 2000 und 2004 teils in Fachzeitschriften, teils in Büchern veröffentlicht worden sind; vier davon liegen – allerdings in anderen Fassungen – in deutscher Übersetzung vor. Butler diskutiert einerseits spezielle Fragen der Geschlechterregulierung wie die, ob Verwandtschaft immer schon heterosexuell strukturiert ist; ob es wünschenswert sein könnte, auf psychologische Tests vor einer bevorstehenden Geschlechtsumwandlung zu verzichten; in welcher Hinsicht das Inzestverbot die herrschende Geschlechterordnung nur weiter fixiert. Andererseits führt sie durch Kommentare und Repliken auf Positionen anderer Autorinnen (wie Sylviane Agacinski, Jessica Benjamin, Luce Irigaray) die Debatte fort, die sie selbst u. a. in „Gender Trouble“ mit der Unterscheidung von biologischem (sex) und sozialem Geschlecht (gender) ausgelöst hatte. Bei aller Unterschiedlichkeit der behandelten Themen variiert Butler in den Aufsätzen das systematische Problem, dass intersubjektive Anerkennung nicht jenseits sozialer Normen erfolgen kann, (Geschlechter‑)Normen jedoch immer zugleich Funktionsweisen von Macht codieren. Deshalb müssen sich Auseinandersetzungen darüber, was als menschliches Leben anerkannt wird, stets im Rahmen der Demokratie vollziehen, die prinzipiell „nicht mit einer Stimme“ spricht. Diese Pluralität der Stimmen bedacht, könnte es sein, „dass das, was richtig ist und was gut ist, darin besteht, offenzubleiben für die Spannungen, die auch die grundlegendsten Kategorien heimsuchen, die wir brauchen“ (69).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42 | 2.27
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Judith Butler: Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen. Frankfurt a. M.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29839-die-macht-der-geschlechternormen-und-die-grenzen-des-menschlichen_35350, veröffentlicht am 02.09.2009.
Buch-Nr.: 35350
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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