/ 20.06.2013
Andreas Anter
Die Macht der Ordnung. Aspekte einer Grundkategorie des Politischen
Tübingen: Mohr Siebeck 2004; XII, 311 S.; Ln., 59,- €; ISBN 3-16-148370-7Habilitationsschrift FB Sozialwissenschaften und Philosophie Leipzig. - Anter vertieft das zentrale Problem der politischen Ordnung. In den ersten drei Kapiteln untersucht er den Zusammenhang von „Ordnung, Erkenntnis und Semantik“, von „Ordnung und Unordnung“ sowie von „Ordnung, Macht und Sicherheit“. Von hier aus erschließt er in einem zweiten Teil die „drei elementaren Ordnungen der Moderne” (7): den ökonomischen Ordnungsbegriff - exemplarisch an Walter Euckens „Ordnungspolitik“ und Friedrich A. von Hayeks „spontaner Ordnung“, das juristische Verständnis von Rechtsordnung - einschließlich seiner Auflösung im konkreten Ordnungsdenken Carl Schmitts - und den Staat als übergreifende
Ordnung der Ordnungen. Angesichts der herausgearbeiteten Differenzierungen kann Anter nicht nur die Disparität der Ordnungsvorstellungen feststellen, sondern zu Recht behaupten, dass das Problem der Ordnung nicht hintergehbar ist. Insofern ist ihm zuzustimmen, dass Ordnung weder ein spezifisch deutscher noch konservativer Begriff ist. Anters Arbeit kommt daher das Verdienst zu, einen in der jüngeren politischen Theorie vernachlässigten Begriff grundsätzlich und interdisziplinär in ideengeschichtlicher sowie systematischer Weise zu erfassen. Dass Ordnung prekär ist und ihre Stabilität immer schon auch ein gewisses Maß an Unordnung voraussetzt, Ordnungsperfektionismus hingegen - Anter verweist u. a. auf die untergegangene DDR - zu ihrer Auflösung führt, gehört dabei zu den zahlreichen, erhellenden Erkenntnissen der Studie. Trotzdem hätte man gerne mehr erfahren über vormoderne Ordnungskonzepte, das amerikanische Staatsverständnis und - angesichts der postmodernen Rückkehr der Religion - auch über das Verhältnis von Ordnung und Religion. Vielleicht bildete dann auch nicht so sehr der Staat in der Tradition der deutschen Staatslehre, sondern trotz aller von Anter selbst formulierten Bedenken das Problem der „guten” Ordnung den Kulminationspunkt seiner Überlegungen.
Robert Chr. van Ooyen (RVO)
Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
Rubrizierung: 5.1 | 5.32 | 5.41 | 5.44
Empfohlene Zitierweise: Robert Chr. van Ooyen, Rezension zu: Andreas Anter: Die Macht der Ordnung. Tübingen: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22318-die-macht-der-ordnung_25456, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25456
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Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
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