/ 20.06.2013
Helmut Schmidt
Die Mächte der Zukunft. Gewinner und Verlierer in der Welt von morgen
München: Siedler Verlag 2004; 239 S.; Ln., 19,90 €; ISBN 3-88680-817-3In gewohnt klarer Diktion und mit dem Blick für das Wesentliche analysiert der Altbundeskanzler die Weltlage und vermisst die Spielräume und Alternativen für künftige Entscheidungen. Er erwartet, dass vier große Komplexe die Entwicklung nachhaltig beeinflussen werden: die Bevölkerungsexplosion, die Globalisierung, die Anfälligkeit der internationalen Finanzmärkte und der internationale Waffenhandel. Auf all diesen Gebieten werden die USA nach Schmidts Meinung auch in Zukunft eine bestimmende Rolle spielen. Sie stehen deshalb auch im Zentrum seines strategischen Tableaus. Schmidt spart nicht mit Kritik an der Kurzsichtigkeit der gegenwärtigen Führung (und den Fehlern einiger Vorgänger Bushs). Gleichwohl hält er jedoch „amerikanische Führung auf vielen Gebieten für unvermeidlich“ (124). Seine Hausaufgabenliste für die amerikanische Regierung ist umfangreich. Sie müsse sich in sieben Fragen zu gesamtstrategischen Entscheidungen durchringen: hinsichtlich ihrer Haltung zur Charta der UNO, dem Verhältnis zu Europa, der Rolle der NATO, dem Mittleren Osten, Russland, China und dem nordkoreanischen Atomwaffenprogramm. Die EU sieht Schmidt in einer tief greifenden Krise, sowohl in institutioneller Hinsicht als auch in Bezug auf ihre Außenpolitik und die ökonomischen sowie die sozialen Strukturen. Er warnt vor einer erneuten Erweiterung und ruft zu einer aktiven Konsolidierung auf. Eine wie auch immer geartete Gegenmacht zu den USA werde die EU auf Jahrzehnte hinaus nicht darstellen. Diese Vorstellung hält Schmidt für ebenso „abwegig“ (221) wie die „Vorstellung einiger deutscher Politiker [...], Deutschland habe in der Weltpolitik ‚eine Rolle zu spielen'“ (234). China und Russland hält Schmidt zurzeit für zwei Länder mit großem Machtpotenzial aber gewaltigen inneren Problemen, die beide auf lange Sicht binden werden. Im Verhältnis zum Islam und zu den islamischen Ländern ruft Schmidt alle Akteure zu Toleranz auf. Sie sei allgemein in Zukunft vonnöten, weil die gegenseitigen Abhängigkeiten und mithin auch die Konflikte zunehmen werden.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.2 | 4.22 | 2.64 | 2.68 | 2.63 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Helmut Schmidt: Die Mächte der Zukunft. München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22484-die-maechte-der-zukunft_25657, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25657
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M. A., Politikwissenschaftler.
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